Seite:Album der Sächsischen Industrie Band 2.pdf/64

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Es gelangen die ersten Versuche auch vollkommen und das, für die Begründer allerdings mit sehr bedeutenden Opfern verbundene Unternehmen erregte nicht nur in den weitesten Kreisen allgemeine Aufmerksamkeit, sondern fand auch höchsten Ortes beziehentlich seiner Leistungen die gnädigste Anerkennung, welche die Besitzer anspornte, in ihren Anstrengungen, den Betrieb des Geschäfts zu erweitern und zu verbessern, nicht zu ermüden. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten sie alle neu auftauchenden Verbesserungen und Erfindungen in dieser Branche und suchten dieselben, soweit sie sich als praktisch bewährt hatten und ihre Anwendung bei den bestehenden Verhältnissen überhaupt möglich war, sich zu eigen zu machen. So wurden viele mechanisch-technische Einrichtungen getroffen; namentlich in der Neuzeit auch eine in ihrer Art einzige Ventilation, welche ihrem Zweck, der weiteren Zubereitung der thaugerösteten Flachsstengel, auf das Vollkommenste entspricht.

Im Jahre 1847 verbanden die Besitzer diese Anstalt mit einer Kaltwasserröste und kauften von da ab ununterbrochen Flachs auf dem Halme, nach Flächeninhalt, wodurch sie höchst anregend und aufmunternd auf die Flachscultur jener Gegend wirkten; der Flachs wurde sowohl nach belgischer Methode geerntet, als auch die Zubereitung nach belgischem System erfolgte.

Im Jahre 1857 übernahm der Mitbegründer und zeitherige Mitbesitzer, Herr Friedrich Lohse, die Anstalt auf eigene Rechnung. Herr Lohse war schon früher die Seele des Ganzen gewesen und deshalb erfuhr durch diese Besitzveränderung der Gang des ganzen Geschäfts nicht nur keine Störung, sondern es blühte immer mehr auf. Der nicht ermüdenden rastlosen, umsichtigen und aufopfernden Thätigkeit des Herrn Besitzers gelang es, das Geschäft nach allen Richtungen zu heben; er setzte nicht nur den Flachseinkauf auf dem Halme nach Flächeninhalt in erweitertem Maßstabe fort, sondern erreichte auch das schon seit Jahren mit großen Opfern angestrebte Ziel, eine Flachsschwingmaschine construiren zu lassen, welche nach ihrer Aufstellung wirklich Ueberraschendes leistete und allen davon gehegten Erwartungen vollkommen entsprach. Diese Maschine ist selbstthätig und die sie bedienenden Arbeiter sind nur in so weit dabei beschäftigt, daß sie den geknickten Flachs auf der einen Seite einlegen und ihn dann vollkommen geschwungen auf der anderen Seite wieder herausnehmen.

Die Leistungen der gedachten Maschine sind von Sachkennern außerordentlich belobt worden, der Flachs kommt aus derselben vorzüglich glänzend und bänderreich, und die Fiebern des Flachses sind dabei nicht im Geringsten verletzt. Die Productionsfähigkeit der Maschine ist höchst überraschend.

Auch die hier im Gange befindliche Flachsbrechmaschine ist von colossaler Größe; sie enthält acht Walzenpaare von bedeutendem Durchmesser, theils aus Gußeisen, theils aus Schmiedeeisen, in verschiedenen Dimensionen gereifelt und ist fähig, täglich vierzig bis fünfzig Centner Flachsstroh mit Leichtigkeit zu verarbeiten.

Aus dieser Anstalt gehen jährlich tausend bis zwölfhundert Centner theils wassergerösteter, theils thaugerösteter gereinigter und geschwungener Flächse hervor.



Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Album der Sächsischen Industrie Band 2. Louis Oeser, Neusalza 1856, Seite 58. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_S%C3%A4chsischen_Industrie_Band_2.pdf/64&oldid=- (Version vom 9.3.2019)