Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/142

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die kleinste Glocke ist die jüngste. – Im Jahre 1693 hat die Kirche bedeutende Veränderungen erfahren, indem man vier neue Fenster durch die Mauern brach, die Chöre neu erbaute, die beiden Kapellen und die Sacristei von Grund aus abtrug und anderswo anbrachte, sowie Altar und Kanzel mit neuen Zierrathen versah. Den Bau leitete der Landbaumeister von Zeitz und die ganze Renovation kostete 932 Gulden 17 Groschen 7 Pfennige. Bald nach der Beendigung dieses Baues begann jedoch auch der Thurm schadhaft zu werden und man sah sich genöthigt, ihn bis zum Glockenstuhle abzutragen, aber bei der Stärke und Festigkeit der Grundmauern war es möglich ihn zu erhöhen. Im Jahre 1744 war der Thurm in seiner jetzigen Gestalt vollendet und zwar unter Aufsicht des Zimmermeisters Götze und Maurermeisters Uhlemann aus Borna. Seit jener Zeit ist an der Kirche kein erwähnenswerther Bau nöthig gewesen; 1786 wurde die Thurmfahne vergoldet und 1819 das ganze Gebäude abgeputzt. Die Orgel ist ein Werk des Schulmeisters Johann David Gerstenberg in Geringswalde, hat zwölf Stimmen, und kostete 208 Thaler, wobei dem Erbauer und seinen Gehülfen Kost und Unterhalt nebst einigen Kleinigkeiten noch besonders vergütet werden mussten. Filial von Zöpen ist das nahe Dorf Grosszössen. Der erste protestantische Pfarrer zu Zöpen war seit 1540 Matthäus Betzscher, oder nach anderen Nachrichten schon Benedikt Windisch, der zu Grosszössen einen besonderen Altaristen, Benedikt Hildebrand, hielt, welcher sich, nach dem Uebertritt seines Pfarrherrn zum Lutherthum, nach Pegau wandte.

In der Sacristei der Kirche zu Zöpen verwahrt man eine Schachtel, worin sich zwei Ratten oder diesen Thieren ähnliche Geschöpfe befinden die, obschon in völlig vertrocknetem Zustande, noch ziemlich gut erhalten sind, und nach dem Urtheile Sachverständiger als merkwürdige Abnormitäten für den Naturforscher nicht geringes Interesse bieten. Besonders merkwürdig ist der hintere Theil dieser Thierkörper, der fast von gleicher Länge wie der vordere ist und in einen dicken Eidechsenschwanz ausläuft.

Im Pfarrarchiv zu Zöpen liegt eine uralte Handschrift, die sich zur Zeit in einem so vermoderten und zerbröckelten Zustande befindet, dass es unmöglich ist einen Zusammenhang des Inhalts zu erlangen, der die wunderbare Sage von den merkwürdigen Ratten enthält. Zum Glück hat der vormalige Pastor Lindner in Zöpen 1756 von dem Urtexte, welcher damals schon fast ganz unleserlich war, eine Abschrift genommen, welche uns mitzutheilen der jetzige Herr Ortspfarrer Leipnitz so gütig war. Noch ist zu bemerken, dass vor etwa sechszig Jahren die Schachtel mit den Ratten und dem Texte, vermuthlich aus Aberglauben, gestohlen wurde, und nachdem man Alles von einem benachbarten Dorfe reclamirt hatte, fehlte in der betreffenden Schrift ein Blatt, weshalb man an einer Stelle den Zusammenhang vermisst. Das alte Manuscript erzählt: Hanns Haubold, oder wie es weiter unten steht, Hanns von Kunritz zu Zössen und seine Braut Barbara von Weissenbach, Herold von Weissenbachs auf Zöpen Tochter, waren mit einander vertrauet, verlobt und versprochen, es befand sich aber, dass sie guter Hoffnung war. Dieses letztere Aeltern und andere Leute wollten es schon rügen, davon reden und ihre alle Aeltern, Grossältern, Cunrad von Weissenbach und ihre Mutter Martha und seines Vaters Bruder Martin von Weissenbach und seines Vatern Schwester Ursula und seine Enkel Gertrud, Vity, der Wolfram Urban. Diese alle und seine Schwestern Ilze, Gertrud und Bruder Sebastian und seine Wertine (Wärterin) anna gingen sie an, was sich habe verlauten lassen – und so fing sie an, sich zu vermessen und zu schwören, und leugnete die ganze That. Hierauf redete Herr Benedictus Windisch, Pfarrherr und Pleban allhier, etwas ernstlich mit ihr, gegen den sie sich vermass: sie wollte Kröten und Schlangen gebären, wenn sie gesegneten Leibes wäre. Endlich habe sich Cunrad Fischer, vielleicht adlicher informator, oder praeceptor, angegeben, er habe die Scholastin seine Schülerinn, verführt, und es werde die Zeit ihrer Niederkunft zu Michael oder Gallus erfolgen, welches hernach auch zu bestimmter Zeit und zwar nach ihrem vermessenen Wunsche also geschehen sey, dass sie gegenwärtige Misgeburten in Gestalt der Kröten zur Welt gebracht habe. Was hernach Hanns und seine Brüder Albrecht und Ludwig gethan haben, ob sie die Braut geschimpft oder verklagt haben, weis ich nicht zu sagen, eben so wenig verstehe ich die folgenden Worte, ob es Beschwörungsformuln vom Herrn Pastore Windischen oder sonst unverständliche altdeutsche Wörter sind, wie wohl hin und wieder noch ein Verstand herausgebracht werden kann, z. B. ol, nicht oder mit; walp. Walpurgis, ferner: in lode pinna uxar, in laude prima uxor u. s. w.

Was die nachfolgenden Zehn Absätze mit Ӯ bezeichnet und die dabei stehenden Namen bedeuten, ob es abgehörte Zeugen sind, kann ich ebenfalls nicht errathen. Die Jahres Zahl yc, die unten am Ende des Zeddels

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/142&oldid=3170166 (Version vom 22.6.2018)