Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/153

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Frohburg.


Die Stadt Frohburg, mit einem der bedeutendsten Rittergüter Sachsens, liegt an dem Flüsschen Wyhra, an der hohen Strasse von Chemnitz nach Leipzig, in einer höchst angenehmen und fruchtbaren Gegend, zwei Stunden südlich von Borna und zwei und eine halbe Stunde von Altenburg. Der Ort zählt in dreihundert sechsunddreissig Häusern etwa zweitausend und achthundert Einwohner, die sich hauptsächlich von Zeug- und Leineweberei, Töpferei und etwas Feldbau ernähren. Die hübsche reinliche, grösstentheils gepflasterte Stadt hat sehr ansehnliche Bürgerhäuser, einen schönen grossen Markt, woran zwei treffliche Gasthöfe die Post und Apotheke gelegen sind, und jährlich zwei sehr besuchte Märkte (Montags vor Pfingsten und Montags vor Michaelis) deren jedem nach der Concession vom 4. October 1810 Freitags vorher ein Ross- und Viehmarkt vorangeht. Die Stadt besitzt 235/6 Hufen Feld.

Was die Entstehung Frohburgs anbetrifft, so fällt dieselbe höchst wahrscheinlich in das Zeitalter Kaiser Heinrichs des Vogelstellers. Wieprecht von Groitzsch, der mächtige Graf und Herr des ganzen Landes zwischen Pegau und Leissnig, liess bekanntlich Colonisten aus Franken herbeikommen, welche mit deutschem Fleisse die dunklen Urwaldungen ausrotteten und an deren Stelle blühende Dörfer gründeten. Unter der Axt dieser fleissigen Arbeiter fielen auch die düsteren Forstungen welche Frohburg umgaben und die Sage weiss sogar zu erzählen, dass der Ort, welcher damals nur aus einer Burg und wenigen Häusern bestand, zu jener Zeit seinen Namen erhalten habe. Es hatte nämlich Markgraf Otto von Meissen die Stadt Leipzig mit Jahrmärkten begnadigt, welche von weit und breit besucht wurden und so konnte es nicht fehlen, dass sich bald Wegelagerer fanden, die den reichbeladenen Wagen und Saumthieren der fremden Kaufleute auflauerten und ihre Beute hinter die Mauern und Gräben fester Burgen flüchteten. Die Handelsleute sahen sich genöthigt, nur unter starkem Geleite zu reisen, aber auch die Raubritter kamen mit zahlreicher Mannschaft, so dass oft blutige Kämpfe stattfanden. Wenn nun in der Nähe Frohburgs die Wälder lichter und die Zinnen der alten Veste Gnandstein sichtbar wurden, da dankten die Reisenden Gott für die Gnade, dass er sie sicher bis zu diesem Steine geführt und erreichten sie endlich Frohburg, dann war alle Gefahr vorüber und Jedermann fröhlich. Nach und nach siedelten um die Burg immer mehr Leute an, so dass der Ort sich rasch vergrösserte; wenn er indessen zur Stadt erhoben worden, darüber ist weder eine Urkunde noch eine Tradition vorhanden.

Frohburg, in frühester Zeit auch Vroburg geschrieben, wird urkundlich nicht vor dem Jahre 1200 erwähnt, wo Ritter Albert von Vroburg zu Altenburg als Zeuge erschien. Graf Wieprecht von Groitzsch, der Besitzer dieses Landstrichs, hatte vermuthlich einen seiner treuen Edelleute auf das befestigte Schloss Frohburg gesetzt, dessen Familie sich dasselbe als Lehn zu erhalten wusste. Zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts finden wir Marschälle von Frohburg, ein Beweis, dass die einfachen Vasallen sich zu einem mächtigen Adelsgeschlecht erhoben hatten, und zwei Urkunden von 1328 und 1335 nennen den Marschall Henrich von Froburg, dessen Gemahlin, gleich wie die des Marschalls Wicze von Frohburg, Schloss und Stadt zur einen Hälfte als Leibgedinge erhielt. Die Bestätigung der Urkunde erfolgte durch den Markgrafen Friedrich. – Ob, wie einige Historiker vermuthen, die Marschälle von Frohburg der Familie von Flugelsberg (Flössberg) angehört, und als eine Nebenlinie der Burggrafen von Altenburg zu betrachten sind, oder ob sie, nach der Ansicht Anderer, mit den thüringischen Marschällen gleicher Abkunft waren ist eine Frage, die noch kein Genealog zu entscheiden vermochte. Die Herren von Froburg blieben im Besitze ihres Schlosses nur bis zum Anfange des funfzehnten Jahrhunderts, denn 1410 gehörte es bereits Hansen von Brosen, von dem dasselbe an Heinrich von Bünau und später an einen Herrn von Draschwitz gelangte. Um das Jahr 1516 besass Frohburg ein Ritter von Minkwitz, 1530 aber Melchior von Creutzen, dessen metallenes Denkmal mit der Jahreszahl seines Ablebens, 1555, in der Stadtkirche nahe beim Altare noch jetzt vorhanden ist. Bernhard von Creutzen wird 1561 erwähnt, wo der Pfarrer

     Leipziger Kreis, 13tes Heft, oder 45stes Heft der ganzen Folge.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/153&oldid=- (Version vom 24.6.2018)