Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/178

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

vieler Rittergutsbesitzer und Gemeinden durch den dreissigjährigen Krieg herabgekommen waren, beweist ein Gesuch vom 17. Juli 1647 an Friedrich von Brösigke, als Vorsitzenden der Ständeversammlung zu Merseburg, worin er dringend ersucht wird, die angedrohte schwedische Execution abzuwenden; und doch schuldeten die Restanten nur wenig Geld, nämlich der Herr von Goldstein zwei Thaler neun Pfennige, der von Hacke auf Oberthau einen Thaler zwei Groschen drei Pfennige, Otto von Bose zu Ermlitz eben so viel und die beiden Gemeinden Gross- und Kleinwiederitzsch etwas weniger als drei Thaler.

Nach Friedrich von Brösigke besass Breitenfeld mit Zubehör Tobias von Brösigke, vermählt mit Elisabeth von Bülow, der die unter seinem Patronate stehenden Kirchen reichlich beschenkte und um 1695 gestorben zu sein scheint. Eustachius von Brösigke wird 1718 und noch 1746 genannt, wo er auch das Rittergut Lömsel besass. Sein Leichenstein befindet sich noch jetzt auf dem Friedhofe zu Lindenthal. Bald nach Eustachius von Brösigke’s Tode gelangte Breitenfeld an den Kreisamtmann Blümner in Leipzig, und von diesem an dessen Sohn, den Oberhofgerichtsrath und Leipziger Senator Dr. Heinrich Blümner, der 1839 verwittwet und kinderlos starb. Hierauf kam Breitenfeld mit den übrigen grossen Besitzungen der Blümnerschen Familie an die ihr nahe verwandte Familie Gruner. Der jetzige Eigenthümer von Breitenfeld ist Herr Kaufmann Ferdinand Gruner-Blümner zu Leipzig.

Historisch denkwürdig ist Breitenfeld durch zwei berühmte Schlachten des dreissigjährigen Krieges, in denen die Oestreicher der schwedischen Waffengewalt weichen mussten. Die nähere Schilderung dieser Schlachten bei Breitenfeld wird hier willkommen sein:

Nachdem der furchtbare Tilly Magdeburg in einen Aschenhaufen verwandelt und daselbst zwanzigtausend Einwohner mit unmenschlicher Grausamkeit abgeschlachtet hatte, wandte sich sein bluttriefendes Heer nach Sachsen, wo Kurfürst Johann Georg I., obgleich ein geheimer Anhänger des Kaisers, aus mancherlei Gründen sich in die Arme des schwedischen Königs Gustav Adolph flüchtete und am 4. September 1631 seine Armee bei Düben mit der Schwedischen vereinigte. Drei Tage darauf erfolgte die Schlacht, welche einen neuen Zweig in des Schwedenkönigs Lorbeerkrone flocht. Am frühen Morgen des 7. September standen die beiden feindlichen Heere einander gegenüber. Tilly hatte bei Leipzig ein festes Lager bezogen, in welchem er Verstärkungen abwarten wollte; der feurige Pappenheim aber überredete den greisen Feldherrn, seine treffliche Stellung aufzugeben und solche bei den Hügeln zu nehmen, welche sich von Wahren nach Lindenthal hinziehen. Am Fusse dieser Höhen stand die Schwedische Armee in einer Linie, während ihr Geschütz auf den Hügeln postirt war und somit die ganze Ebene von Breitenfeld bestrich. Von hier näherte sich das Heer der verbündeten Schweden und Sachsen in doppelter Schlachtreihe. Als sich dieses noch ordnete, donnerten unter Pappenheims Anführung zwei tausend eisenbedeckte Kürassiere heran, um den Verbündeten den Uebergang über einen Bach zu wehren; aber die Eisenmänner wurden blutig zurückgeworfen und mussten sich auf die Hauptarmee zurückziehen, während die Schweden ihre Schlachtordnung vollendeten. Den rechten Flügel commandirte der König selbst, das Centrum befehligte der Oberst Teufel und den linken Flügel Gustav Horn. Die Sachsen waren durch einen bedeutenden Zwischenraum von den Schweden getrennt; befehligt von dem Churfürsten Johann Georg und dem General von Arnim.

Die Oesterreichische Armee stand in grosser Ausdehnung und schien die Schweden leicht überflügeln zu können. Das Geschütz war auf den Anhöhen aufgepflanzt und Tilly schien auf diese Art des Feindes Angriffe zu erwarten. Der Feldherr befehligte das Centrum, Pappenheim den linken und Graf Fürstenberg den rechten Flügel. Keine der beiden gegenüberstehenden Armeen überstieg die Zahl von 35,000 Mann.

Mittags um zwölf Uhr eröffnete ein zweistündiges Geschützfeuer die Schlacht. Der Wind wehte von Abend und trieb Staub und Pulverrauch den Schweden entgegen. Dies bewog den König, sich unvermerkt gegen Norden zu schwenken, und die Schnelligkeit, mit der es geschah, liess dem Feinde keine Zeit, dieses Manöver zu verhindern. Endlich verliess Tilly seine Hügel und wagte den ersten Angriff auf die Schweden; aber vor der Heftigkeit ihres Feuers wandte er sich zur Rechten und fiel mit solchem Ungestüm in die Sachsen, dass ihre Glieder sich trennten und die Ritterpferde sammt einem Theile des Fussvolks über den Haufen geworfen und in die Flucht gejagt wurden. Nur die Sächsischen Regimenter Arnim, Bindauf, Taube und Vitzthum leisteten noch einige Zeit Widerstand, bis auch sie sich zur Flucht wandten. Jetzt stürzten plündernde Kroatenhaufen heran und Eilboten wurden bereits abgefertigt, dem Kaiser und dem Kurfürsten von Baiern die Zeitung des Sieges zu verkünden; da rückten die zur Unterstützung der Sachsen bestimmten Schwedischen Obersten Hebron und Hall mit zwei Regimentern an und warfen sich auf das verfolgende kaiserliche Fussvolk, wodurch die Sachsen Zeit gewannen, sich wieder zu ordnen. Dies geschah so schnell, dass die Kaiserlichen sich plötzlich von allen Seiten angegriffen sahen. Der Sächsische Oberst von Steinbach, welcher mit vier Schwadronen bereits gefangen war, stürzte sich auf die Wache, schlug sich durch, und verfolgte in Gemeinschaft mit den Schweden die flüchtige kaiserliche Infanterie.

In vollem Rosseslaufe brausten jetzt die Pappenheimer heran, um den rechten Flügel der Schweden niederzuwerfen; aber ohne zu wanken hielt dieser den furchtbaren Stoss aus. Noch sieben Male erneuerten die Kürassiere den Angriff, aber vergeblich; mit ungeheurem Verluste wurden sie zurückgewiesen und zogen sich hinter die Linie. Tilly aber hatte inzwischen den Rest der Sächsischen Hülfstruppen zerstreut und drang in den linken Flügel der Schweden ein. Diesem Flügel hatte Gustav Adolf, als die Verwirrung der Sachsen entstand, drei Regimenter als Verstärkung gesendet, um die Flanke zu decken, welche die Flucht der Sachsen entblösste. Gustav Horn, der hier befehligte, leistete den feindlichen Reitern kräftigen Widerstand, den die Vertheilung des Fussvolks zwischen die Schwadronen nicht wenig unterstützte. Der Feind begann bereits zu ermatten, als Gustav Adolf herbeieilte, dem Treffen den Ausschlag zu geben. Der linke Flügel der Kaiserlichen war geschlagen und der König führte nunmehr seine unbeschäftigten Truppen gegen die Hügel, wo das feindliche Geschütz Tod und Verderben spie. Im Nu waren die Kanonen genommen und ihr Feuer richtete sich nunmehr gegen die Reihen der Kaiserlichen. Jetzt ergriff diese ein panischer Schrecken. Vor sich den furchtbaren Andrang der Schweden, auf der Flanke das heftige Geschützfeuer trennte sich das Oestreichische Heer zu wilder Flucht, in der selbst Tilly

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 114. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/178&oldid=- (Version vom 30.7.2020)