Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/262

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Der Churfürst entliess die Gefangenen auf ihr Ehrenwort und – in der Mühlberger Schlacht waren sie wieder seine Gegner.

Bald nachher musste Elisabeth vor Moritzens Unwillen weichen.

Im Jahre 1530 grassirte in Leipzig die Pest auf eine furchtbare Weisse, wovon Rochlitz verschont blieb, weshalb in dieser Zeit die Universität, das Oberhofgericht und der Schöppenstuhl von Leipzig hierher verlegt wurde.

Später, im Jahre 1591, fiel Rochlitz der Wittwe Christians[WS 1] I. der Sophie von Brandenburg zu. Auch die Wittwe Johann Georg I. besass Rochlitz als Leibgedinge und im 17ten Jahrhundert das Fräulein Magdalena Sybille von Neitschütz.

Das jetzige Schloss ist indessen nur die obere Hälfte des alten doppelten Schlosses. Denn bis zum 20. September 1632 bedeckte einen Theil des Hügels an der Petrikirche (wovon wir weiter unten sprechen werden), woraus jetzt Gärten formirt sind, das tiefer gelegene und daher sogenannte untere Schloss, welches damals mit einem grossen Theile der Stadt verbrannte, ungeachtet die mitten innen liegende Petrikirche verschont blieb.

Im dreissigjährigen Kriege musste der verschont gebliebene Theil des Schlosses viele Belagerungen aushalten. Das obere Schloss diente als Vestung, welche die Sachsen den 31. Juli 1644 den Schweden abnahmen, worauf letztere es seit dem 30. November 1644 belagerten, aber nicht eroberten; die zweite Belagerung hingegen, 1645 vom 24. Febr. bis zum 3. August endigte mit der Uebergabe.

Eine Zeit lang diente auch das hiesige Schloss als Staatsgefängniss wozu die an der südwestlichen Seite des Schlosses die zwei ganz egal gebauten Thürme dienten, welche, wie oben schon erwähnt wurde, die Rochlitzer Jupen hiessen, (wahrscheinlich ihrer Form wegen so genannt.)

Man pflegte von diesem Staatsgefängniss, den Rochlitzer Jupen, zu sagen, dass der, welcher sie anhabe, weder friere, noch sie ausziehen könne. In diesen Rochlitzer Jupen sass unter Andern auch Dr. Peucer, Melanchthons Schwiegersohn und Leibarzt des Kurfürsten August I., wegen Verdachts des Kriptocalvinismus.

Später wurde das Schloss zum Sitze der Justizbehörde, des Rentamtes und der Kreissteuereinnahme erkoren und ist von diesen Behörden bis auf die neueste Zeit bewohnt worden. Einige Jahre hindurch befand sich auch auf demselben die Expedition der Amtshauptmannschaft.

Ueber die Entstehung des Namens der Stadt existiren übrigens sehr verschiedene Versionen. Die Einen wollen den Namen von einem slavischen Worte herleiten, welches einen Ort mit vielen Holzwegen oder Rissen bedeutet. Es münden gerade hier allerdings sehr viele kleine enge Thäler ins Muldenthal ein, und noch zu Ende der 30er Jahre konnte man nicht in die Stadt einfahren, ohne zuerst einen unangenehmen Hohlweg passirt zu haben.

Die Andern wollen den Namen von den im Stadtwappen befindlichen zwei Figuren des Schachspieles, von den zwei Rochen herleiten.

Die Erklärung einer dritten Parthei, dass der Name von den rothen Steinen, welche hier gebrochen werden, herrühre, ist diejenige, welche die wenigste Wahrscheinlichkeit für sich hat, und die erstere Meinung ist wohl die richtigere.

Die ersten Anlagen zur Stadt sind beim Schlosse zu suchen, wo durch dessen Nähe nur die kleine Anhöhe etwas geschützt war. Später entstand die sogenannte breite Gasse, hinter der man noch in den neuesten Zeiten die Spuren der ursprünglichen Stadtmauer bemerken konnte. Im Anfange des 11ten Jahrhunderts war die innere Stadt bereits schon angelegt, wogegen erst zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts die Stadtmauer erbaut wurde, welche die alte Stadt ausschloss.

Die im Osten an das Schloss angebaute Kapelle beweist, dass die Besitzer und Herren von Rochlitz kirchlichen Sinn und frommen Glauben bewahrten.

Mit dem Ausbaue der Stadt vermehrten sich auch die Tempel des Herrn, unseres Gottes und so entstanden nach und nach drei Kirchen die Petri-, die Kunigunden- und die heilige Geist-Kirche.

Unmittelbar am Schlosse, mit dem sie früher durch einen hölzernen Gang verbunden war, auf einer kleinen Anhöhe zwischen der Peniger Strasse und der Mulde steht die Petrikirche. Den Grund zur ersten christlichen Kirche an diesem Platze legten Kaiser Heinrich I. und seine Gemahlin Mathildis, Tochter des Grafen Dietrich zu Ringelheim, zwischen 910 und 938, weshalb auch diese Kirche einen Kelch früher mit der Inschrift besessen hat: Henricus et Mathildis me compararerunt.

Die Petrikirche ist ein gothisches Gebäude mittlerer Grösse, von Rochlitzer Quadern aufgeführt, durch viele Pfeiler von massiger Breite geschützt.

Der Wanderer, welcher die andern Kirchen der Stadt in Augenschein nehmen will, muss die kleine Anhöhe nach der Stadt zu herabgehen, wobei ihm das alte Diaconat rechts bleibt, und am Garten der Superintendentur hin, von wo sich der Weg rechts den Berg hinauf zieht.

Oben erinnert der Brunnen linker Hand, der Schulborn, durch seinen Namen, dass vor alter Zeit in dieser Gegend die Stadt stand, und der Graben, der noch sichtbar ist, zeigt, dass die innere Stadt anfängt, weshalb auch früher ein Thor, das Oberthor, hier stand. Beim Eintritt in die nun folgende Burggasse zeigt sich in der Form ein hoher weisser Thurm mit Schieferdach. Auf diesen zu ist die Richtung des Weges einzuschlagen und bald gelangt man auf den breiten und ebenen Marktplatz, der rings um von neuen freundlichen Häusern umgeben und im Osten durch das Rathhaus begrenzt wird, welches einen freundlichen Anblick gewährt. Den Markt rechts lassend, wenden wir an den Häusern der sogenannten Sommerseite uns hin, wobei wir die Bemerkung machen, dass für verdeckte Schleusen, reinliches Pflaster und nächtliche Beleuchtung sehr gut gesorgt ist – und gelangen weiter unten an einen andern, auch ebenen und regelmässigen Marktplatz, den Topfmarkt. Von ihm aus führt eine schmale Gasse, die Kirchgasse, weiter und kaum in dieselbe eingetreten so erblickt auch unser Auge die westliche Seite der Kunigundenkirche, ein edles gothisches Bauwerk des funfzehnten Jahrhunderts, welche einer besondern Beschreibung vom verstorbenen Dompropst Dr. Stiglitz

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Christans
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 170. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/262&oldid=3500771 (Version vom 23.3.2019)