Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/336

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Ammelshain


am Saubach- und Planitzholze 2 Stunden von Grimma entfernt und 1 Stunde südlich von Brandis gelegen, stösst mit seinem östlichen Ende an die Strasse von Borna nach Wurzen und Eilenburg und durch die niedere Hälfte des thalwärts sich hinstreckenden Dorfes, fliesst der sogenannte Saubach dem Wiesengrunde zu.

An der Nordwestseite des untern Dorfes und in der Nähe der Kirche haben die schönen Rittergutsgebäude ihren Platz. Sie sind nicht alt und erfreuen den Beschauer durch ihre symetrische Zusammenstellung. Das Hauptgebäude zeigt über dem Eingange unter dem Lindenauschen Wappen die Jahreszahl 1723. Der weiche Boden erschwerte die Grundsteinlegung bedeutend und deshalb ist das Gebäude auf sogenannte Roste 2 Stock hoch und mit einem Souterrain massiv und im hohen Grade geschmackvoll erbaut.

Daran stösst im Westen der Schlossgarten worinnen überseeische Gewächse mit einheimischen Baumarten mannigfach abwechseln und das Wandeln auf den durchhin sich schlängelnden Gängen sehr anmuthig und reizend machen. Das vorhandene Gewächshaus bietet auch zur Winterszeit einen lieblichen Aufenthalt, vorzüglich dann wenn die Camelien anfangen ihre Blüthenpracht zu entfalten.

Im Sommer und Herbst fesseln, nebst andern Zierblumen, hauptsächlich die Georginen des Beschauenden Blicke. Eine Anpflanzung dieser Liebligen erblickt man auch schon bei dem Eintreten im Schlosshofraume. Dieser vorzüglich entzückt ebenfalls durch seine Symetrie und Sauberkeit und wer als Oeconom darinnen sich umsieht, der richtet seine Schritte sehr bald nach dem links und rechts sich zeigenden Eingängen zu den Ställen, die ihrer Einrichtung wegen schon gefallen müssen.

Der Viehstand ist ein ausgezeichneter und trifft man die Heerde auf der Weide, so glaubt man in die Schweiz versetzt zu sein und zwar in Hinsicht auf das schöne harmonische Glockenspiel, das dasselbe weithin zu angenehmer Ueberraschung ertönen lässt.

Die zum Rittergute gehörende grosse Schäferei (an 700 Stück) hat abgesondert und ⅛ Stunde vom Schlossgehöfte entfernt ihren Standort am südwestlichen Fusse des Haselberges, über welchen an der Nordseite dichtwachsendes Laubholz, von dem es den Namen hat, sich hinzieht, an der Dorfseite aber eine Kirschbaumplantage auf deren Höhe sich dem Auge nach Süd und West eine freie reizende Aussicht öffnet. Ausser mehreren andern Ortschaften lässt sich, wenn man den höchsten Standpunkt sucht, von da aus auch Leipzig erblicken. Auf diesem Berge ist auch ein geräumiger Keller und ein Steinbruch zu finden und in seiner Nähe, wie auf andern Revieren des Rittergutes öffnet sich der Jagdlust geigneter Spielraum. Vorzüglich ist die Schnepfenjagd in manchen Jahren hier ausgezeichnet. Fischerei hat das Rittergut in dazugehörigen Teichen, von denen einer im Dorfe die Mühle speist, aber nur in wasserreicher Jahreszeit.

Eine trefflich eingerichtete, zwar nicht allzugrosse, aber mit den neuesten Apparaten versehene Branntweinbrennerei ist mit dem Rittergute gleichfalls verbunden, wie auch die Berechtigung zum Bierbrauen, welche aber einige Zeit nicht exercirt worden ist.

Das Rittergut selbst gehörte in den frühesten Zeiten der Familie von Lindenau, welche auch Machern und Polenz besassen. Später kam

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 219. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/336&oldid=- (Version vom 7.1.2019)