Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen I.djvu/337

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es in andere Hände. Ernst Wilhelm von Lindenau kaufte es wieder im Jahre 1531 und zwar von Ambros Lintacher oder Lindbacher, einem Leipziger Patrizier. Von 1684 war Christopf Ernst von Lindenau Erbherr auf Ammelshayn, vermählt mit Katharina Margaretha geb. von Zehmen. Als Erb-, Lehn- und Gerichtsherr starb hier 1726 der Stiftsrath Adam Friedrich von Lindenau, der auch Grosshennersdorf besass. Im Jahre 1755 kam der Kammerherr Ernst Ludwig von Wilke in den Besitz von Ammelshayn. Letztrer starb schon 1763 allein seine Familie behauptete es noch bis zum Jahre 1793. Sein Sohn, der Amtshauptmann August Moritz von Wilke, der das schöne Thorhaus herstellte an welchem man das Wilke’sche Wappen und die Jahreszahl 1788 erblickt, besass das Gut bis zum gedachten Jahre 1793. Ein früher 1791 mit dem preuss. Oberst-Wachtmeister von Schubert abgeschlossener Kauf wurde schnell rückgängig.

Doch noch in der Mitte desselben Jahrzehnt kam es an Herrn Johann Friedrich von der Becke, Kaufmann zu Leipzig. Er hinterliess es bei seinem Todte 1813 fünf minderjährigen Erben, unter ihnen als jüngsten Sohn den jetzigen Besitzer, Herr Friedrich Leopold von der Becke, den Ammelshayn so viel zu verdanken hat.

Ein Theil der Borna’schen Strasse auf Rittergutsgebiet ist förmlich chaussirt und mit einer Allee versehen worden, eben so der Weg, der an der Nordseite des Dorfes herab dem Schlosse zuführt.

Die Filialkirche zu Ammelshayn, fast ¾ Stunde Wegs von der Pfarrkirche entfernt, steht zwar unter der Collatur des Ritterguts Polenz, es übt jedoch der Ortsgerichtsherr das Patronat über sie und der Herr Besitzer von Ammelshayn hat sich um diese Kirche sehr verdient gemacht, indem er in den 40ger Jahren bei der Reparatur derselben grosse Kosten aus eignen Mitteln aufwendete. Wenige Landkirchen werden durch ihr Innres einen gleich wohlthuenden Eindruck auf empfängliche Gemüther machen, als gerade die Kirche zu Ammelshayn und Alles dieses verdankt sie ihren Patron und dessen grosser Mucificenz.

Vorzüglich Beachtung verdienen die in der Kirche befindlichen Epitaphien. Der herrschaftlichen Kapelle gegenüber – über welcher das von der Beckesche und von Wolframsche Wappen grenzt – ist an der Wand ein schönes Epitaphium aufgerichet, welches der Auffrischung werth war, die es erfuhr. Es zeigt nebst verschiedenen Wappen und Symbolen obenüber auch das Brustbild der Frau Christiana Sophia von Thumshirrn geb. von Lindenau, Herrn Wilhelm Friedrich von Thumshirrn hochfürstl. Sachsen-Gothascher-Oberforstmeisters zu Altenburg Gemahlin welche 40 Jahre alt, am 21. Januar 1725 daselbst verstarb und den 27. ejusd. im hochadelichen Erbbegräbnisse[WS 1] beigesetzt wurde.

Dieses Erbbegräbniss, den vordern Altarraum einnehmend, ist im vorigen Jahre auch mit neuen Fallthüren versehen.

Auf 2 darinnen befindlichen Denksteinen sind das Lindenau’sche und das Zehmensche Wappen ausgehauen.

Der Kirche gehören an Feld, Wiese und Holz 12 Acker 179°□ Ruthen und ein Vermögen von 1200 Thlr. Mit der Verwaltung desselben ist auch ein Pfarrholz-Kapital von 2300 Thlr. verbunden, wovon die jährlichen Zinsen dem Pfarrer zukommen.

Der Anfang des Früh-Gottesdienstes wechselt jeden Sonn- und Festtag. Ausgenommen sind die ersten Feiertage zu den 3 hohen Festen und die Busstage, an welchen die Nachmittagspredigten in der Pfarrkirche zu Polenz zu halten sind.

Diessfalls nimmt allemal der Gottesdienst in der Filialkirche früh um 7 Uhr seinen Anfang. Beginnt er da um 10 Uhr, so hat der Pfarrer Mittags den Tischgenuss bei der Rittergutsherrschaft und hält Nachmittags um 2 Uhr die Betstunde. Ist Frühkirche da, so muss Nachmittags der Schulmeister von Polenz wieder nach Ammelshayn gehen und Betstunde halten, während der Pfarrer in Polenz allein zu thun hat.

Die Schule hat an Feld und Wiese 5 Acker 15 □ Ruthen und wird ungefähr von 60 Kindern besucht.

Ausser dem hiesigen, früher altschriftsässigen, Rittergute, mit 600 Acker Feld, Wiese und Holz umfasst der Ort 19 grössere und 8 kleinere Gutswirthschaften.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Erbbegäbnisse
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 220. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/337&oldid=3474103 (Version vom 7.1.2019)