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Menge Verbrechen begangen von denen jedes einzelne den Tod verdiente. Auch an Spottgedichten der gemeinsten Art fehlte es nicht. In einem derselben heisst es:

Wo ist nun deine grosse Pracht!
Wo bleiben deine Pfeifer?
Die dir so lustig aufgemacht,
Wo sind die vielen Läufer?
Mich däucht, man wird nun hören dich
Anstatt der sechs Trompeter
Anstimmen also jämmerlich:
Ein stetes Ach und Zeter!
An diesem Haman kann sich noch
Ein jeder Höfling spiegeln,
Dass er nicht steige allzuhoch
Mit seinen stolzen Flügeln.
Sonst wird er auch so kahl bestehn
Wie dieser arme Teufel
Und in den Kerker müssen gehn
Daran ist gar kein Zweifel.

Der unglückliche von der Höhe seiner Macht herabgestürzte Günstling starb in einem Kerker der Festung Königstein in seinem siebenundvierzigsten Jahre am 12. August 1713.

Nach des Ministers Tode besassen Dallwitz dessen zwei Söhne. Einer seiner Brüder, der Königlich Polnische und Churfürstlich Sächsische Oberfalkenmeister, Kammerherr und Oberst Gottlob Adolf Reichsgraf von Beichlingen starb auf dem Schlosse zu Dallwitz, und liegt in der Kirche zu Lenz begraben. Seine Gemahlin, Elisabeth Juliane Philippine von Haxthausen, vermählte sich später mit einem Freiherrn von Seyffertitz, und liess ihrem ersten Gatten ein schönes noch vorhandenes Denkmal setzen.

Um das Jahr 1760 gehörte Dallwitz dem Hof- und Justizrath von Schmidt, von dem es 1768 ein Baron von Kessinger erkaufte, der das Gut jedoch nur bis 1771 behielt, und nicht hier sondern in Grödel wohnte. Von ihm kam Dallwitz an den Churfürstlich Sächsischen Holzverwalter und Hoftrüffeljäger, Hans Sigismund von der Pforte, der zugleich auch Unterkommandant der Festung Königstein war. Nach dessen Tode gehörte das Gut eine kurze Zeit einem seiner Söhne, Alexander Sigismund von der Pforte, der es an Gustav Adolf Görne verkaufte. Von diesem Herrn kam Dallwitz an den jetzigen Besitzer Herrn Eduard von der Becke.

Seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts war das nahe Dorf Döbritzchen stets mit Dallwitz vereinigt. Ein Wallgraben und etwas Grundgemäuer deuten an, dass einst hier ein Schloss stand, welches, wie aus einigen Kennzeichen zu schliessen ist, durch Feuer vernichtet wurde. Im sechszehnten Jahrhundert gehörte Döbritzchen, wie Dallwitz den Herren von Nischwitz, 1618 Hans Friedrich von Schleinitz und später dessen Wittwe, von welcher es an einen Herrn von Poigk überging. Dieser verkaufte das Gut an den Oberconsistorialpräsidenten von Beichlingen und seit dieser Zeit blieb es stets mit Dallwitz vereinigt. Der Sage nach soll Döbritzchen einst durch Feuer eingeäschert und das Feld mehrerer nicht wieder aufgebauten Bauergüter zum Rittergute geschlagen worden sein. Das Schloss hatte einst eine Capelle, in welcher der Lenzer Pfarrherr den Kirchendienst verrichtete, auch steht dem Rittergute Döberitzchen eigentlich das Patronat über Kirche und Schule zu.

Dallwitz und Döberitzchen sind nebst den Ortschaften Altleis, Neuleis, Geisslitz mit Kleingeisslitz, Zschauitz und Mülbitz in die Kirche des nahegelegenen Dorfes Lenz eingepfarrt. Dieselbe wurde in den Jahren 1700 und 1701 neu erbaut, und ist ein zwar einfaches aber stattliches und geräumiges Gotteshaus. Auf dem Fussboden der Kirche befinden sich noch eine Anzahl alter mit verwischten Inschriften versehener Grabsteine, und unter den Monumenten zeichnet sich namentlich das des Oberfalkenmeisters etc. Reichsgrafen von Beichlingen aus, welches ihn in Lebensgrösse und im vollen Schmucke seiner hohen Stellung zeigt, worunter sich eine rühmende Inschrift befindet. Ausser andern Legaten besitzt Lenz auch eins vom Jahre 1614, hundert Gülden stark, welches von einem Schuhmacher aus Dahlen, Johann Jacob Alber herrührt, der in der Nähe von Lenz verunglückte und von den Einwohnern dieses Ortes freundlich aufgenommen und verpflegt wurde. Aus Dankbarkeit übergab er dem Rathe zu Grossenhain eine Summe von hundert Gülden mit der Bestimmung, den Armen in Lenz alljährlich einen Gülden der Zinsen zu überweisen. Dieser Gülden wird noch jetzt ausgezahlt.

Otto Moser, Red.     




Druck von Sturm und Koppe (A. Dennhardt) in Leipzig.
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/048&oldid=- (Version vom 29.10.2017)