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Gross-Sedlitz.


Gross Sedlitz liegt eine halbe Stunde von Dohna und drei Stunden von Dresden, einige tausend Schritte von der Elbe, auf ansehnlicher nach Südost gemächlich noch mehr ansteigender Höhe, von wo man eine überaus reiche Aussicht in das Elbthal, von Pirna bis Dresden, in die Lohmner Pflege und die Felsenparthieen der Sächsischen Schweiz geniesst. Südlich vom Schlosse Gross-Sedlitz entspinnt sich ein Grund, der zwar keinen eigentlichen Bach, sondern einige kleine Teiche enthält, ziemlich steil in östlicher Richtung nach der Elbaue abfällt und auf der südlichen Seite ziemlich schroffe Wände zeigt. Ein ähnlicher Grund senkt sich nordöstlich nach dem Brauhause hinab, der zu Obstbau und Trift benutzt und von einer hübschen Allee begrenzt ist. Das hübsche Dorf Gross-Sedlitz ist sehr regelmässig gebaut und besteht aus dreiundzwanzig Feuerstätten mit etwa zweihundert Einwohnern, die sich von Ackerbau und Stroharbeit nähren. Eingepfarrt ist Gross-Sedlitz nach Dohna. Zum Orte gehört auch das Chausseehaus Brauden.

Sedlitz ist slavischen Ursprungs und hiess in ältester Zeit Sedlo, woraus im Mittelalter Seydliz und später Sedlitz entstand. Dasselbe war, wie eine grosse Anzahl benachbarter Dörfer und Städte, Eigenthum der Burggrafen von Dohna, und als dieses eben so mächtige als raublustige Geschlecht im Jahre 1402 von dem Meissner Markgrafen besiegt und gedemüthigt worden war, als die Stammburg Dohna in Trümmern lag und die Grafen im Auslande einen Zufluchtsort gefunden hatten, wurde auch Sedlitz als erledigtes Lehn, Eigenthum des Landesherrn. Es ist keine Urkunde aufzufinden, welche über die Besitzer von Sedlitz im fünfzehnten Jahrhundert Aufschluss gäbe, denn dass der Markgraf, wie alle Dohnaischen Güter, auch Sedlitz an einen seiner treuen Edelleute verliehen habe, unterliegt keinem Zweifel. Aus einer Urkunde des sechszehnten Jahrhunderts scheint allerdings hervorzugehen, dass der Markgraf Sedlitz an die Familie von Körbitz (durch deren Streit mit den Burggrafen die bekannte Dohnaische Fehde entstanden war) in Lehn gab. indem Kaspar von Körbitz, dem Sedlitz 1561 gehörte, in dieser Urkunde von einer Leistung spricht, die schon vor hundert Jahren seinem Vorfahren zugestanden habe; es ist aber freilich nicht mit Gewissheit zu bestimmen, ob unter diesem Vorfahren ein Herr seines Geschlechts oder überhaupt nur der damalige Besitzer des Ritterguts gemeint sei.

Der bekannte älteste Besitzer von Sedlitz war Hans von Worgwitz, dessen zuerst 1553 Erwähnung geschieht. Ihm folgte um das Jahr 1561 Caspar von Körbitz und diesem Hans von Körbitz, der es um 1601 an einen Herrn von Loss verkaufte. Schon 1612 erwarb Gross-Sedlitz der Doctor Heinrich Laurentius Lindemann, von dem es der Oberstlieutnant von Fürstenauer an sich brachte, der auch Klein-Sedlitz dazu kaufte. Nach wenigen Jahren wurde Sedlitz Eigenthum des Oberforstmeisters von Römer, nach dessen Tode das Gut 1686 an den Kammerrath von Wolfersdorf gelangte. Im Jahr 1715 brannte das Dorf gänzlich nieder, und 1719 sah sich die Familie von Wolfersdorf genöthigt diese Besitzung für 20,000 Meissnische Gülden an den Gouverneur der Residenzstadt Dresden und Commandanten der Festung Königstein, Grafen August Christoph von Wackerbarth zu veräussern, der das noch jetzt stehende Schloss erbaute und es die Friedrichsburg nannte. Dieser Herr liess nebst dem Schlosse noch eine Anzahl Wohnungen erbauen, prachtvolle Gärten anlegen und herrliche Springbrunnen herstellen, zu welchen man das Wasser mittelst einer Art von Dampfmaschine bei der Köttwitzmühle im Wesensteiner Grunde aus der Müglitz hob. Das Schloss ist in sehr edlem Geschmack erbaut, besteht aus drei Flügeln und enthalt ein Corps de Logis von elf Fenstern Breite, mit einem Thürmchen und einer Schlaguhr.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/116&oldid=- (Version vom 29.10.2017)