Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV.djvu/242

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Die Gründung des Ortes rührt von einem gewissen Walther her, jedoch ist mit Bestimmtheit nicht zu ermitteln, ob Walther blos der Vorname oder ob Walther der eigentliche Zuname war.

Nach Gründung des Klosters Zella kam es mit andern 14 Dörfern zu letzteren und nach Aufhebung dieses Klosters wurde der Kanzler Mordeisen, welcher unter Kurfürst Moritz lebte, damit beliehen: Derselbe liegt auch in Kleinwaltersdorf oder Kleinwalthersdorf begraben.

Des Kanzlers 3 Söhne verkauften Kleinwaltersdorf mit den übrigen 14 zellischen Oberdörfern an den damaligen Kurfürsten von Sachsen, Christian I. im Jahre 1587 um 525,600 Thlr. von welchem es im Jahre 1588 der Dresdner Amtmann Kronberg in Lehn erhielt.

Im Jahre 1566 aquirirte das Gut wieder ein von Mordeisen und zwar Rudolph von Mordeisen, dem 1632 sein Sohn Ulrich von Mordeisen folgte.

Bei schneller Reihenfolge kam das Gut an Hofrath Berlich, Secretär Putzschky, Dr. Wachtler, an Hauptmann von Schleinitz, an die Freiherrn von Odeleben. Dann war Erb- Lehn- und Gerichtsherr der königl. sächs. hof. Posthalter zu Dresden, Herr Kretzschmar, welcher Kleinwaltersdorf bis in die 40ger Jahre unsers Jahrhunderts besass. Der gegenwärtige Besitzer ist Herr Schmidt in Dresden.

Unter der Gerichtsbarkeit des Gutes standen auch bis zur neuen Gerichtsorganisation der dazu gehörige aus meist unbegüterten, in der Nähe des Hofes bis auf die westliche Höhe hinauf an den Abhängen zerstreut liegenden Häussern, bestehende Dorftheil, während das übrige Dorf dem früheren Kreisamte Freiberg untergeben war.

Deshalb zerfiel auch der Ort in zwei Gemeinden, nämlich in die Amts- und die Rittergutsgemeinde.

Der sogenannte Richtweg von Freiberg nach Haynichen läuft durch den obersten Theil des Dorfes, dessen Fluren an die der Nachbardörfer Lang-Hennersdorf, Klein-Schirma, Friedberg und Lossnitz stossen.

Am obern Ende des Dorfes ¼ Stunde westlich giebt es vorzüglich zwei Punkte von gegen 1400 paris. Fuss Seehöhe, auf welchen nicht allein über den nahen Spital- und Fürstenwald, sondern auch über einen grossen Theil der Umgegend sich anziehende Aussichten eröffnen.

Ueber die dasige Kirche, welche etwas unbequem an der Spitze des Ober-Dorfes liegt, steht nicht der Gerichtsherrschaft, sondern dem Ministerium des Cultus das Collaturrecht zu, so wie auch über die Schule.

Die Kirche ist über 450 Jahre alt und steht unmittelbar auf dem Gottesacker. Die Kirche ist im Innern etwas dunkel, übrigens geräumig genug. Für eine besondere alterthümliche Zierde dieser Kirche möchte der Altar gelten, welcher in seinen gesammten Theilen bis zur höchsten Spitze aus Sandsteinen besteht.

Es sind verschiedene Gegenstände an demselben ausgehauen.

Unter andern enthält dieser Altar eine Grabschrift in vergoldeten Buchstaben von dem in der sächs. Geschichte oben schon erwähnten so berühmten Kanzler von Mordeisen. Die Schrift lautet:

Hoc posuit tumulo fragiles Mortisius actus,
     Coelestes laetus spiritus inter agit.
Vir pietate gravis, meritis, virtute, fideque,
     Ingenio clarus, clarior eloquio.
Utile Saxoniae tribus electoribus ejus
     Consilium, atque fides fida probata fuit,
Et sese nulli, nisi et his obstrinxerat, at nunc
     Se tibi credentem suscipe, Christe virum!

Klein-Schirma ist das Filial von Waltersdorf. Letzteres wie Klein-Schirma sind sehr alte Orte, und schon im 10. Jahrhundert angelegt worden.

Der von Klein-Schirma nach Gross-Schirma durch Waltersdorf laufende Bach, welcher jetzt Waltersbach genannt wird, ist bei Klein-Schirma kleiner, wie bei Gross-Schirma. Dieser Bach hat wahrscheinlich, zur Zeit der Wenden, die Schirm geheissen und an diesen Bach wurde sich angebaut und deshalb die Benennug zur kleinen Schirm.

Zuerst stand das Vorwerk, vielleicht als Schirmgut gegen die vertriebenen Wenden. Bald aber bauten mehrere zur kleinen Schirm sich an, unter Anordnung der vereinten, geistlichen und weltlichen Behörde.

Im Jahre 1162 wurde Klein-Schirma wie Waltersdorf von Markgrafen Otto dem Reichen unter die Gerichtsbarkeit des Klosters Altenzella bei Nossen bei dessen Gründung gestellt.

Nach Säcularisirung des Klosters Altenzella, 1543 kamen diese Dörfer an den Kanzler von Mordeisen, wie wir oben schon erwähnt haben.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/242&oldid=- (Version vom 17.8.2017)