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In Klein-Schirma ist das mit sehr besuchtem Gasthof verbundne Erbgericht bemerkenswerth. In dem freundlichen Garten dieses Erbgerichts werden im Sommer Concerte gehalten, welche von den Freibergern häufig besucht werden.

Im Winter findet sich in dem freundlichen Saale ebenfalls grosse Gesellschaft ein.

Auch ist seit dem Jahre 1839 eine Bade-Anstalt hier errichtet, welche vorzüglich auf Torf-Moor-Bäder sich bezieht.

Sie haben sich an der Mehrzahl der Gäste als heilsam bewährt, vorzüglich an Gichtkranken.

Das ganze Badegebäude ist mit Schiefer gedeckt, mit einem Blitzableiter versehen und steht unmittelbar an der sehr frequenten Chaussee von Freiberg nach Chemnitz.

Der Bergbau soll in den frühesten Zeiten hier mit aufgenommen worden sein, so wie auch in Klein-Waltersdorf der Bergbau früher in Flor gewesen ist, was noch im Dorfgebiete liegende Haldenzüge, Neugeborene Kindlein beurkunden.

Die grössere Einwohnerzahl von Kleinwaltersdorf machen Bergleute aus, die durch Arbeit in nahen wie in entfernten Gruben ihr Brod finden, überdies auch noch theilweise Tagearbeit verrichten, auf grösstentheils gemietheten Aeckern Feldbau betreiben, und was sie aus der Viehwirthschaft zum Verkauf erübrigen, in der nahen Stadt Freiberg ohne grossen Zeitverlust absetzen.

Das Dorf hat 120 Hauser, incl. der Bauergüter, zweier Mühlen und des Rittergutes. Die Einwohnerzahl bleibt sich ziemlich immer gleich, da viele neue Häuser hier nicht gebaut werden, doch ist sie in der neuern Zeit etwas gestiegen und beträgt jetzt 920.

Kleinwaltersdorf mit Kleinschirma gehört jetzt zum Gerichtsamte Freiberg und zu den diesem Gerichtsamte vorgesetzten höhern Behörden.

M. G.     




Hilbersdorf


in Urkunden Hildebrandisdorf genannt, ¾ Stunden von Freiberg entfernt, an der Strasse nach Dresden und Dippoldiswalde gelegen.

Der Erbauer dieses Ortes soll ein Magister montium, Namens Hildebrandus gewesen sein.

Im Jahre 1272 wurde es von seinem damaligen Besitzer Heinrich Becherer, Bürger zu Freiberg, mit allen durch Markgraf Heinrich verliehenen Gerechtigkeiten und Zubehörungen, nebst 5 Talenten Zinsen, der von ihm im Hospitale zu Freiberg der Jungfrau Marie zu Ehren erbaueten Kapelle als Geschenk überlassen, wie auch später und zwar im Jahre 1351 von Friedrich von Honsberg, einem Freiberger Adeligen, die noch übrigen zu diesem Dorfe gehörigen 5 Hufen Landes dem Hospital zu St. Johannis zu Freiberg geschenkt wurden.

Auf der Höhe des Muldenthals zur Rechten des ausmündenden Dorfbaches steht der sogenannte in der Abbildung befindliche obere Hof, mit einem grossen Herrenhause von uralter Bauart. Dieser Hof war der Sitz der früheren Gerichtsherren.

Im Jahre 1543 kaufte es der Rath zu Freiberg vom Herzoge Moritz und seit dieser Zeit ist es bis auf die neuesten Zeiten von dem Rathe zu Freiberg verwaltet worden, dem ebenfalls die Verwaltung des Hospitals von St. Johannis zusteht.

Das dem Dorfe westlich nahe vielfach gekrümmte Muldenthal: gewährt durch die Nacktheit seiner strauch- und graslosen hohen Bergseiten ein düstres Bild. Der Rauch der Muldener Schmelzhütten hat diese Berge schwarzbraun gefärbt, und verhindert die Natur, hier ihr grünes Kleid auszubreiten.

Durch seine vielen Ziegeldächer hat das Dorf ein stadtähnliches Ansehen.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/243&oldid=- (Version vom 17.8.2017)