Seite:An Alle, Alle! Heft 1, 1919.djvu/13

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bei uns wird die Entwicklung diesen Weg nehmen, wenn wir weiterhin internationale Spekulanten, verbohrte Parteifanatiker, Vertreter der auf’s schwersten belasteten Burgeoisie und Angehörige eines [sic! einer] dem deutschen Volke im innersten wesensfremden Rasse in der Regierung belassen. Wie hießen doch all die schönen, schönen Worte, die man uns ins Ohr flüsterte: Verständigungsfriede, Völkerbund, Parlamentarismus, Souveränität des Volkes, Demokratie, Diktatur des Proletariats, Sozialismus, Vernichtung des Kapitalismus, Befreiung von dem Militarismus und wie alle die schönen Schlagworte heißen mögen. Ein neues freies Volk sollte erstehen, das selbst sein Geschick bestimmen soll. Nichts von alledem ist Wahrheit geworden, konnte nicht Wahrheit werden, kann nie Wahrheit werden, wenn wir nicht mit höchstem sittlichen Ernst all diesen Erscheinungen, all diesen Schlagworten nachgehen, wenn wir nicht wie ein kluger, gütiger Arzt die Krankheitserscheinungen gewissenhaft prüfen und sorgsamst den derzeitigen Zustand des Kranken aufdecken, keine Mühe scheuen, um festzustellen, woher diese schwere krisenhafte Krankheit kommt.

Mammonismus heißt die Krankheit unserer Zeit.

Was ist Mammonismus?

Mammonismus ist die unheimliche, unsichtbare, geheimnisvolle Herrschaft der großen internationalen Geldmächte. Mammonismus ist aber auch eine Geistesverfassung; es ist die Anbetung dieser Geldmächte seitens aller derjenigen die von dem mammonistischen Gifte infiziert sind. Der Mammonismus ist eine wirtschaftliche und moralische Erkrankung. Mammonismus ist die maßlose Übertreibung des an sich gesunden Erwerbstriebes des Menschen. Mammonismus ist die zum Wahnsinn gewordene Geldgier, die kein höheres Ziel kennt, als Geld auf Geld zu häufen, die mit einer Brutalität ohne gleichen alle Kräfte der Welt in seinen Dienst zu zwingen sucht und zur wirtschaftlichen Versklavung, zur Ausbeutung der Arbeitskraft aller Völker der Welt führen muß. Mammonismus ist der Geisteszustand, der zu einem Herabsinken aller sittlichen Begriffe geführt hat. Mammonismus ist als Weltphänomen betrachtet, gleichzusetzen mit dem brutalen rücksichtslosen Egoismus im Menschen. Mammonismus ist der Geist der Habgier, der schrankenlosen Herrschsucht, der nur auf Erraffung der Güter und Schätze der Welt gerichteten Sinnesart; er ist im tiefsten Grunde die Religion des rein auf das diesseitige gerichteten Menschentypus. Mammonismus ist das gerade Gegenteil von Sozialismus. Sozialismus, als höchste sittliche Idee aufgefaßt, als Idee dessen, daß der Mensch nicht nur für sich allein

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Gottfried Feder: An Alle, Alle! 1. Heft. Huber, München 1919, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:An_Alle,_Alle!_Heft_1,_1919.djvu/13&oldid=3006396 (Version vom 9.5.2017)