Seite:Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild.djvu/124

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mehr gewußt hätte; „man sagt, es wäre schon eine alte, heimliche Liebschaft gewesen, die Gräfin hätte es aber niemals zugeben wollen.“ Der Geistliche antwortete nur mit: „Hm, hm,!“ während er seinen Jagdbecher vollschenkte, und mit bedenklichen Mienen daraus nippte. Ich aber hatte mich mit beiden Armen weit über den Tisch vorgelegt, um die Unterredung recht genau anzuhören. Der geistliche Herr bemerkte es. „Ich kann's Euch wohl sagen,“ hub er wieder an, „die beiden Gräfinnen haben mich auf Kundschaft ausgeschickt, ob der Bräutigam schon vielleicht hier in der Gegend sey. Eine Dame aus Rom hat geschrieben, daß er schon lange von dort fort sey. –" Wie er von der Dame aus Rom anfing, wurd’ ich wieder roth. „Kennen denn Ew. Hochwürden den Bräutigam?“ fragte ich ganz verwirrt. – „Nein,“ erwiederte der alte Herr, „aber er soll ein luftiger Vogel sein." – „O ja,“ sagte ich hastig, „ein Vogel, der aus jeden Käfig ausreißt, sobald er nur kann, und lustig singt, wenn er wieder in der Freiheit ist.“ – „Und sich in der Fremde herumtreibt,“ fuhr der Herr gelassen fort, „in der Nacht paßatim geht, und am Tage vor den Hausthüren schläft.“ – Mich verdroß das sehr. „Ehrwürdiger Herr,“ rief ich ganz hitzig aus, „da hat man Euch falsch berichtet. Der Bräutigam ist ein moralischer, schlanker, hoffnungsvoller Jüngling, der in Italien in einem alten Schloße auf großen Fuß gelebt hat, der mit lauter Gräfinnen, berühmten Malern und Kammerjungfern umgegangen ist, der sein Geld sehr