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Auf einem Fels geboren,

Vertheilen kühlerrauschend sich zwei Quellen,
Die eigne Bahn zu schwellen.
Doch wie sie fern einander auch verloren:
Es treffen ächte Brüder

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Im ew’gen Meere doch zusammen wieder.


So wolle Gott Du flehen,
Daß er mit meinem Blut und Leben schalte,
Die Seele nur erhalte,
Auf daß wir freudig einst uns wiedersehen,

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Wenn nimmermehr hienieden:

So dort, wo Heimath, Licht und ew’ger Frieden!


 Der Tiroler Nachtwache.

In stiller Bucht, bei finst’rer Nacht,
Schläft tief die Welt im Grunde,
Die Berge rings steh’n auf der Wacht,

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Der Himmel macht die Runde,

Geht um und um
Ums Land herum,
Mit seinen goldnen Schaaren
Die Frommen zu bewahren.

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Kommt nur heran mit Eurer List,

Mit Leitern, Strick und Banden!
Der Herr doch noch viel stärker ist,
Macht Euren Witz zu Schanden.

Empfohlene Zitierweise:
Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts und das Marmorbild. Vereinsbuchhandlung, Berlin 1826, Seite 243. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Aus_dem_Leben_eines_Taugenichts_und_das_Marmorbild.djvu/247&oldid=- (Version vom 31.7.2018)