Seite:Bertha von Suttner – Die Waffen nieder! (Band 2).djvu/159

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Ein intensiver Karbolgeruch erfüllte nunmehr alle Räume, und heute noch, wenn mir dieser Geruch entgegenweht, steigen jene Cholera-Schreckenstage vor meinem Geiste auf.

Die geplante Flucht mußte ein zweites Mal unterbleiben. Schon stand am Tage nach Lillis Tode der Wagen bereit, welcher Tante Marie, Rosa, Otto und meinen Kleinen fortführen sollte, als der Kutscher – von dem unsichtbaren Würger erfaßt, wieder vom Kutschbock absteigen mußte.

„Also will ich euch fahren,“ sagte mein Vater, als ihm diese Nachricht gebracht wurde. „Schnell – ist Alles bereit?“ …

Rosa trat vor:

„Fahret,“ sagte sie – „ich muß bleiben … ich … folge der Lilli – –“

Und sie sprach wahr. Bei Tagesanbruch wurde auch diese zweite junge Braut in die – Leichenkammer gebracht.

Natürlich war in dem Schrecken dieses neuen Unglücksfalles die Abreise der Anderen nicht ausgeführt worden.

Mitten in meinem Schmerze, meiner tobenden Angst, ergriff mich auch wieder der tiefste Zorn gegen jene Riesenthorheit, welche solches Übel freiwillig heraufbeschwört. Mein Vater war, als sie Rosas Leichnam hinausgetragen, in die Knie gefallen, den Kopf an die Mauer …

Ich trat hin und packte ihn beim Arme:

„Vater,“ sagte ich – „das ist der Krieg.“

Empfohlene Zitierweise:
Bertha von Suttner: Die Waffen nieder!. E. Pierson’s Verlag, Dresden/Leipzig 1899, Band 2, Seite 154. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Bertha_von_Suttner_%E2%80%93_Die_Waffen_nieder!_(Band_2).djvu/159&oldid=- (Version vom 31.7.2018)