Seite:Beytrag zur Toleranzgeschichte des achtzehnten Jahrhunderts.pdf/2

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

gegen uns Protestanten, was sie vor zwanzig und dreyßig Jahren gewesen sind. Der Geist der Verträglichkeit, Liebe und Freundschaft erfüllt sie immer mehr. Wenigstens von dem mehr gesitteten und aufgeklärten Theile unter ihnen wird dieß so ziemlich gelten. Bey den Gelehrten beyder Kirchen findet fast durchgehends keine Zwietracht der Religionsverhältnisse wegen mehr statt. Diese arbeiten in verschiedenen litterarischen Instituten eintrachtsvoll mit einander fort. Der Mittheiler dieses Beytrags, welcher mit vielen Gelehrten des katholischen Glaubensbekenntnisses in genauer Verbindung zu stehen das Vergnügen hat, weiß dieses aus eigener Erfahrung. Er erinnert sich nicht, daß jemahls eine unangenehme Reibung zwischen ihm und seinen katholischen Freunden vorgefallen wäre. Aber freylich, der Pöbel ist noch überall Pöbel. Nur der Wiener macht hievon noch eine Ausnahme. Jener weiß nichts von boshafter Verfolgung seiner protestantischen Mitbürger. Freylich haben dort Verfassung und Lebensart einen ausserordentlich starken Einfluß auf die Grundgesinnung des größten Haufens. Ganz anders hingegen sieht es hierin in vielen Gegenden von Baiern, Schwaben und Franken