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und Puff-Ottern zu gleicher Zeit heftig erregt wurden, war ich von der Ähnlichkeit der von ihnen hervorgebrachten Laute sehr frappirt; und obgleich das von der Klapperschlange gemachte Geräusch lauter und schriller als das Zischen der Puff-Otter ist, so konnte ich doch, wenn ich in der Entfernung von einigen Yards von ihnen stand, kaum beide von einander unterscheiden. Zu welchem Zwecke auch der Laut von der einen Species hervorgebracht wird, ich kann doch kaum bezweifeln, daß er bei der andern Species demselben Zwecke dient; und aus den von vielen Schlangen gleichzeitig gemachten drohenden Geberden schließe ich, daß ihr Zischen, das Klappern der Klapperschlange, das Schütteln des Schwanzes beim Trigonocephalus, das Kratzen der Schuppen bei Echis und die Ausbreitung des Halsschildes bei der Cobra, alles demselben Ende dient, dem nämlich, sie ihren Feinden schrecklich erscheinen zu lassen.[1]

Auf den ersten Blick scheint die Schlußfolgerung wahrscheinlich, daß Giftschlangen, wie die im Vorstehenden erwähnten, weil sie bereits durch ihre Giftzähne so gute Vertheidigungsmittel haben, niemals von irgend einem Feinde angegriffen werden und daß sie demzufolge nicht nöthig haben, noch mehr Schrecken zu erregen. Dies ist aber durchaus nicht der Fall; denn in allen Theilen der Erde wird ihnen von vielen Thieren bedeutend nachgestellt. Es ist eine bekannte Thatsache, daß in den Vereinigten Staaten Schweine dazu benutzt werden, von Klapperschlangen heimgesuchte Bezirke zu säubern, was sie auch in äußerst wirksamer Weise thun.[2] In England greift der Igel die Kreuzotter an und verzehrt sie. Wie ich von Dr. Jerdon höre, tödten in Indien mehrere Arten von Habichten und wenigstens eine Säugethierart,


  1. Nach den in neuerer Zeit von Mrs. Barber über die Schlangen von Süd-Africa gesammelten und im „Journal of the Linnean Society“ mitgetheilten Berichten, wie auch nach den von mehreren Schriftstellern, z.B. von Lawson über die Klapperschlange von Nord-America gegebenen Schilderungen erscheint es nicht unwahrscheinlich, daß das schreckenerregende Aussehen von Schlangen und die von ihnen hervorgebrachten Laute gleichfalls dazu dienen können, ihnen Beute dadurch zu verschaffen, daß sie kleinere Thiere lähmen oder, wie es zuweilen genannt wird, bezaubern.
  2. s. die Schilderung des Dr. R. Brown in: Proceed. Zoolog. Soc. 1871, p. 39. Er sagt, daß ein Schwein, so bald es eine Schlange sieht, auf dieselbe losstürzt; auch flüchtet sich eine Schlange sofort, wenn ein Schwein erscheint.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/104&oldid=- (Version vom 31.7.2018)