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dem Schluchzen und dem reichlichen Vergießen von Thränen eine strenge Analogie besteht; denn bei Kindern beginnt das Schluchzen nicht während der frühesten Kindheit, tritt aber später ziemlich plötzlich ein und folgt dann jedem heftigen Weinanfalle, bis die Gewohnheit mit den fortschreitenden Jahren abgelegt wird.


Über die Ursache der Zusammenziehung der rings um das Auge gelegenen Muskeln während des Schreiens. — Wir haben gesehen, daß neugeborene und junge Kinder, während sie schreien, ausnahmslos ihre Augen fest schließen und zwar durch die Zusammenziehung der umgebenden Muskeln, so daß die Haut rings herum in Falten gelegt wird. Bei älteren Kindern und selbst bei Erwachsenen läßt sich, so oft ein heftiges und nicht zurückgehaltenes Weinen eintritt, eine Neigung zur Zusammenziehung dieser selben Muskeln beobachten; doch wird dieselbe häufig gehemmt, um das Sehen nicht zu stören.

Sir Ch. Bell erklärt[1] diese Handlung in der folgenden Weise: „Während eines jeden heftigen Respirationsactes, mag es beim herzlichen Lachen oder beim Weinen, Niesen oder Husten sein, wird der Augapfel durch die Fasern des Ringmuskels fest zusammengedrückt, und dies ist eine Einrichtung, um das Gefäßsystem des Innern des Auges zu unterstützen und es vor einem rückläufigen Anstoße, welcher dem Blute in derselben Zeit in den Venen mitgetheilt wird, zu hüten. Wenn wir den Brustkasten zusammenziehen und die Luft austreiben, so tritt in den Venen des Halses und des Kopfes eine Verlangsamung des Blutes ein; und in den kraftvolleren Acten der Ausstoßung dehnt das Blut nicht bloß die Gefäße aus, sondern wird sogar in die kleineren Zweige zurückgetrieben. Wäre das Auge zu solchen Zeiten nicht gehörig zusammengedrückt und würde dem Stoße kein Widerstand geleistet, so könnte den zarten Geweben im Innern des Auges ein nicht wieder gut zu machender Schaden zugefügt werden.“ Er bemerkt ferner, „wenn wir die Augenlider eines Kindes von einander ziehen, um das Auge zu untersuchen, während es schreit und vor Leidenschaft um sich schlägt, so wird die Bindehaut plötzlich mit Blut gefüllt und die Augenlider umgewendet, weil dem Gefäßsystem


  1. The Anatomy of Expression. 1844, p. 106; s. auch seinen Aufsatz in den Philosophical Transactions, 1822, p. 284, ebenda 1823, p. 166 und 289. Vergl. auch The Nervous System of the Human Body. 3. edit. 1836, p. 175.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 143. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/151&oldid=- (Version vom 31.7.2018)