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erhoben wird. Der Mund darf nicht bis zum äußersten Grade geöffnet werden; denn wenn dies während eines Paroxysmus excessiven Lachens eintritt, so wird kaum irgend welcher Laut geäußert, oder er verändert seinen Ton und scheint tief aus der Kehle zu kommen. Die Respirationsmuskeln und selbst die der Gliedmaßen gerathen in derselben Zeit in rapide schwingende Bewegungen. Die Unterkinnlade nimmt häufig an dieser Bewegung Theil und dies dürfte dazu dienen, es zu verhindern, daß der Mund weit geöffnet wird. Da aber ein voller ausgiebiger Laut ausgestoßen werden soll, so muß die Mundöffnung groß sein; und es geschieht vielleicht, um dies zu erreichen, daß die Mundwinkel zurückgezogen werden und die Oberlippe erhoben wird. Obgleich wir kaum weder die Form des Mundes während des Lachens, welche zur Faltenbildung unterhalb der Augen führt, noch den eigenthümlichen wiederholten Laut des Lachens, noch das Zittern der Kinnlade erklären können, so können wir nichtsdestoweniger schließen, daß alle diese Wirkungen Folgen einer gemeinsamen Ursache sind. Denn sie sind alle für einen vergnügten Seelenzustand bei verschiedenen Arten von Affen characteristisch und ausdrucksvoll.

Es läßt sich ein abgestufte Reihe verfolgen von heftigem zu mäßigem Lachen, zu einem breiten Lächeln, zu einem sanften Lächeln und zum Ausdrucke bloß vergnügter Stimmung. Während des excessiven Lachens wird der ganze Körper häufig nach rückwärts geworfen und schüttelt sich oder wird beinahe convulsivisch bewegt; die Respiration ist bedeutend gestört; der Kopf und das Gesicht werden mit Blut überfüllt, die Venen ausgedehnt und die Kreismuskeln werden krampfhaft zusammengezogen, um die Augen zu schützen. Es werden reichlich Thränen abgesondert. Es ist daher, wie früher bemerkt wurde, kaum möglich, irgend eine Verschiedenheit zwischen dem von Thränen feuchten Gesichte einer Person nach einem Paroxysmus excessiven Lachens und nach einem Anfalle bitteren Weinens nachzuweisen.[1] Es ist wahrscheinlich Folge der großen Ähnlichkeit der durch diese so weit von einander verschiedenen Gemüthserregungen verursachten krampfhaften Bewegungen, daß hysterische Patienten


  1. Sir J. Reynolds bemerkt (Discourses XII, p. 100): „Es ist merkwürdig zu beobachten, — es ist aber sicher richtig, — daß die Extreme entgegengesetzter Leidenschaften mit sehr wenig Abänderung durch eine und dieselbe Thätigkeit ausgedrückt werden.“ Er führt als Beispiele die wahnsinnige Freude einer Bacchantin und den Kummer einer Maria Magdalena an.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 189. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/201&oldid=- (Version vom 31.7.2018)