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abwechselnd mit Heftigkeit weinen und lachen und daß kleine Kinder zuweilen plötzlich von dem einen in den andern Zustand übergehen. Mr. Swinhoe bemerkt, daß er oft gesehen hat, wie Chinesen, wenn sie an tiefem Kummer leiden, plötzlich in hysterische Lachanfälle ausbrechen.

Ich war begierig zu erfahren, ob Thränen während excessiven Lachens von den meisten Menschenrassen reichlich vergossen würden, und ich höre von meinen Correspondenten, daß dies der Fall ist. Ein Fall wurde bei den Hindus beobachtet, und diese sagen selbst, daß es häufig vorkommt. Dasselbe gilt von den Chinesen. Die Frauen eines wilden Stammes von Malayen auf der Halbinsel von Malacca vergießen zuweilen Thränen, wenn sie herzlich lachen; doch kommt dies selten vor. Bei den Dyaks von Borneo muß es häufig der Fall sein, wenigstens bei den Frauen; denn ich höre von dem Rajah C. Brooke, daß es bei ihnen eine sehr gewöhnliche Redensart ist zu sagen, „wir weinten beinahe vor Lachen“. Die Eingebornen von Australien drücken ihre Gemüthserregungen sehr entschieden aus; mein Correspondent beschreibt sie als vor Freude umherspringend und mit ihren Händen schlagend und auch als häufig brüllend vor Lachen. Nicht weniger als vier Beobachter haben bei solchen Gelegenheiten ihre Augen sich reichlich mit Wasser füllen sehen und in einem Falle liefen die Thränen ihre Backen herab. Mr. Bulmer, ein Missionair in einem entfernten Theile von Victoria, bemerkt, „daß sie ein sehr scharfes Gefühl für das Lächerliche haben; sie sind ausgezeichnete Mimiker, und wenn einer von ihnen im Stande ist, die Eigenthümlichkeiten irgend eines abwesenden Gliedes des Stammes nachzuahmen, so ist es sehr häufig, Alle im Feldlager convulsivisch lachen zu hören.“ Bei Europäern erregt kaum irgend etwas das Lachen so leicht als Nachahmung, und es ist im Ganzen merkwürdig, dieselbe Thatsache bei den Wilden von Australien wiederzufinden, welche eine von den distinctesten Rassen der Welt darstellen.

In Süd-Africa füllen sich bei zwei Kafferstämmen, besonders bei den Weibern, die Augen häufig während des Lachens mit Thränen. Gaika, der Bruder des Häuptlings Sandilli, beantwortete meine Frage über diesen Punkt mit den Worten: „Ja, es ist ihr gewöhnlicher Gebrauch.“ Sir Andrew Smith hat gesehen, wie das bemalte Gesicht eines Hottentotten-Weibes nach einem Lachanfalle mit Thränen übergossen war. Bei den Abyssiniern in Nord-Africa werden Thränen


Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 190. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/202&oldid=- (Version vom 31.7.2018)