Seite:DarwinAusdruck.djvu/235

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Dieses Zurückziehen der Lippen und Entblößen der Zähne während der Paroxysmen der Wuth, als sollte der Beleidiger gebissen werden, ist in Anbetracht dessen, wie selten die Zähne vom Menschen beim Kämpfen gebraucht werden, so merkwürdig, daß ich mich bei Dr. Crichton Browne erkundigte, ob diese Gewohnheit bei den Geisteskranken, deren Leidenschaften nicht gezügelt werden, gewöhnlich sei. Er theilt mir mit, daß er es wiederholt sowohl bei Geisteskranken als Blödsinnigen beobachtet habe, und gibt mir noch die folgenden Erläuterungen — :

Kurz zuvor, ehe er meinen Brief empfieng, war er Zeuge eines nicht zu beherrschenden Ausbruchs von Zorn und eingebildeter Eifersucht bei einer geisteskranken Dame. Zuerst überhäufte sie ihren Mann mit Vorwürfen, und während sie dies that, schäumte sie am Munde. Zunächst näherte sie sich dann ihrem Manne dicht mit zusammengedrückten Lippen und einem giftig aussehenden Stirnrunzeln. Dann zog sie ihre Lippen zurück, besonders die Winkel der Oberlippe und zeigte ihre Zähne, wobei sie gleichzeitig einen heftigen Streich nach ihm ausführte. Ein zweiter Fall betraf einen alten Soldaten, welcher, wenn er aufgefordert wird, sich den Regeln der Anstalt zu fügen, seiner Unzufriedenheit, die schließlich in Wuth ausgeht, Luft macht. Er beginnt gewöhnlich damit, daß er Dr. Browne frägt, ob er sich nicht schäme, ihn in einer solchen Art und Weise zu behandeln. Dann schwört und flucht er, schreitet auf und ab, wirft seine Arme wild umher und bedroht Jeden, der in seine Nähe kommt. Endlich wenn seine Aufregung auf den Höhepunkt kommt, fährt er mit einer eigenthümlichen seitwärtigen Bewegung auf Dr. Browne los, schüttelt seine geballte Faust vor ihm und droht ihm mit dem Untergange. Dann kann man sehen, wie seine Oberlippe erhoben wird, besonders an den Winkeln, so daß seine großen Eckzähne sichtbar werden. Er stößt seine Flüche durch seine aufeinander gepreßten Zähne durch und sein ganzer Ausdruck nimmt den Character äußerster Wildheit an. Eine ähnliche Beschreibung findet auch auf einen andern Mann Anwendung mit Ausnahme, daß dieser gewöhnlich mit dem Munde schäumt und spuckt, tanzt und in einer fremdartigen rapiden Art und Weise umher springt, wobei er seine Verwünschungen in einer schrillen Fistelstimme ausstößt.

Dr. Browne theilt mir auch einen Fall von einem epileptischen Blödsinnigen mit, welcher unabhängiger Bewegungen unfähig ist und


Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 223. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/235&oldid=- (Version vom 31.7.2018)