Seite:DarwinAusdruck.djvu/313

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Kaffern von Süd-Africa niemals errötlien. Dies dürfte aber vielleicht nur heißen, daß keine Farbenveränderung zu unterscheiden ist. Gaika fügt hinzu, daß unter den Umständen, welche einen Europäer erröthen machen würden, seine Landsleute „sich schämen, den Kopf aufrecht zu halten.“

Vier meiner Correspondenten haben angegeben, daß die Australier, welche beinahe so schwarz sind wie die Neger, niemals erröthen. Ein fünfter beantwortet meine Frage mit einem Zweifel, wobei er bemerkt, daß wegen des schmutzigen Zustandes ihrer Haut nur ein sehr starkes Erröthen würde gesehen werden können. Drei Beobachter geben an, daß die Australier wirklich erröthen;[1] Mr. S. Wilson fügt noch hinzu, daß dies nur in Folge einer starken Erregung bemerkbar wird und wenn die Haut nicht in Folge langen Ausgesetztseins und eines Mangels an Reinlichkeit zu dunkel ist. Mr. Lang antwortet: „Ich habe bemerkt, daß Scham beinahe immer ein Erröthen hervorruft, welches sich häufig den ganzen Hals herab erstreckt.“ Scham zeigt sich auch, wie er hinzufügt, dadurch, „daß die Augen von einer Seite zur andern gedreht werden“. Da Mr. Lang ein Lehrer in einer Eingebornenschule war, so hat er wahrscheinlich hauptsächlich Kinder beobachtet, und wir wissen, daß sie mehr erröthen als Erwachsene. Mr. G. Taplin hat Halbblutmischlinge erröthen gesehen und er sagt, daß die Ureinwohner ein Wort haben, was Scham ausdrückt. Mr. Hagenauer, welcher einer von denen ist, welche niemals die Australier erröthen gesehen haben, sagt, daß „er gesehen habe, wie sie vor Scham auf die Erde blicken“; und der Missionär Mr. Bulmer bemerkt: „Obschon ich nicht im Stande gewesen bin, irgend etwas der Scham Ähnliches bei den erwachsenen Eingebornen zu entdecken, habe ich doch bemerkt, daß die Augen der Kinder, wenn sie verschämt sind, ein ruheloses wässeriges Ansehen darbieten, als wenn sie nicht wüßten, wo sie hinsehen sollten.“

Die bis jetzt mitgetheilten Thatsachen reichen wohl hin, nachzuweisen, daß das Erröthen, mag nun irgend eine Farbenveränderung dabei vorliegen oder nicht, den meisten und wahrscheinlich allen Menschenrassen gemeinsam zukommt.


  1. Auch Barrington sagt, daß die Australier von Neu-Süd-Wales erröthen, wie Waitz citirt, a. a. O. S. 149.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 293. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/313&oldid=- (Version vom 31.7.2018)