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dazu gehört Übung, keine theoretische, sondern praktische,“ lächelte Dreßler gutmütig.

Inzwischen hatte Maria zwei einfache, weiße Briefumschläge hervorgeholt und ihm diese hingeschoben. Nur einen Blick warf Dreßler darauf.

„Also habe ich mich auch in der Vermutung nicht getäuscht,“ sagte er lebhaft. „Ich dachte heute nachmittag sofort an Briefumschläge. – Briefumschläge, die an Ihren Vater adressiert waren und ihm sicher eine Nachricht zugetragen haben, die in irgend einem Zusammenhange mit seinem Verschwinden steht und die Sie, liebe Freundin, in Ihrer wahren Bedeutung erkannt hatten und daher fremden Augen vorenthalten wollten.“

„Ja, ich fürchtete, daß man durch die Briefumschläge auf dieselben Vermutungen käme, auf die sie mich gebracht haben, nämlich das –“

„Halt, sprechen Sie diese Vermutungen nicht aus. Ich will mir zuerst selbst einmal diese beiden Kuverts ansehen und mir dann ganz unbeeinflußt meine Meinung darüber bilden –“

Dreßler trat an das Fenster und drehte dort aufmerksam die beiden Papiere zwischen den Fingern, hielt sie gegen das Licht und schnitt dann den einen der Umschläge mit seinem Federmesser an der Seite auf. Diese Prüfung nahm eine geraume Zeit in Anspruch. – Endlich schien er zufrieden gestellt. Er kam an den Tisch zurück und meinte nachdenklich:

„Ihr Vater hat sicherlich früher einmal irgend einem Geheimbund angehört. Denn dieses hier auf der Rückseite der Umschläge in der linken Ecke mit roter Tinte gezeichnete Bildchen, das eine einen Dolch haltende Hand darstellen soll, ist fraglos ein geheimes Erkennungszeichen. Aus bloßer Spielerei macht sich niemand die Mühe, Briefkuverts derart auszuschmücken. Und ich glaube, daß es Mitglieder dieses selben Geheimbundes sind, vor denen Durgassow jetzt geflüchtet ist.“ Bei den letzten Worten schaute er Maria Wieland fragend an.

„Sie sind auf dem richtigen Wege,“ erklärte sie

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/31&oldid=- (Version vom 31.7.2018)