Seite:Das Geheimnis eines Lebens.pdf/64

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Annonce um eine Antwort gebeten. Der eigentliche Sinn der Zeilen ist wirklich recht geschickt hinter dem harmlosen Geldangebot versteckt. – Nun heißt es handeln, sogar sehr schnell handeln. Denn sicherlich hat Dreßler jetzt auch bereits Kenntnis, wo sich Durgassow befindet. Und ihm will ich zuvorkommen, muß ich zuvorkommen, sonst vereitelt er mir meine Pläne.“

„Die hoffentlich auf keine Gewalttat hinauslaufen, Albert!“ warf Jakob Wenzel ängstlich ein. „Du weißt, was Du mir versprochen hast! Nur unter der Bedingung, daß Du im Guten die Herausgabe dessen versuchst, worum Michael Durgassow Dich einst geschädigt hat, lieh ich Dir meine Unterstützung.“

Albert Wenzels fahles, kränkliches Gesicht verzog sich zu einer häßlichen, von Wut und Rachegelüsten entstellten Fratze.

„Sei ohne Sorge, Bruder. Ich werde nur tun, wozu mich die Umstände zwingen,“ gab er zweideutig zur Antwort. In seinem Innern aber war nur eine Stimme des Jubels, daß er endlich, nach so langen Jahren mühevollen Suchens den Menschen, den er am glühendsten auf der Welt haßte, in seine Gewalt bekommen sollte. Aber diese wilden Gedanken verbarg er wohlweislich in seiner Brust. Und nur sein bewegtes Mienenspiel hätte sie einem scharfen Beobachter verraten können. Darauf achtete Jakob Wenzel jedoch weniger. Er war jetzt nur noch erfüllt von dem einen Wunsche, daß seines Bruders Vorhaben gelingen und ihm dadurch sein Anteil an den zu erwartenden Reichtümern baldigst zufallen möchte. Dann konnte er den kleinen Laden Haustor Nr. 16 aufgeben, dann würde er mit seinem Kinde in eine andere Stadt ziehen, wo ihn niemand kannte, und in beschaulicher Ruhe nur seinen Neigungen lebend die ihm noch beschiedenen Jahre hinbringen. Denn das, was Albert vorhatte, vermochte er selbst bei schärfstem Abwägen aller Für und Wider nur als eine gerechte Sache anzusehen. Michael Durgassow hatte, daran gab es nichts zu deuteln, die übrigen Mitglieder des

Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/64&oldid=- (Version vom 31.7.2018)