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an den Kellnerlehrling gerichtet hatte, ließen in keiner Weise erkennen, wann und wo der Graue die fraglos geplante, entscheidende Unterredung mit Durgassow herbeiführen wollte, – eine Unterredung, der der Doktor, wenn irgend möglich, als heimlicher Zeuge beizuwohnen sich vorgenommen hatte. – Dreßler überlegte hin und her, ohne zu einem bestimmten Entschluß kommen zu können. Dabei verhehlte er sich jedoch nicht, daß die augenblickliche Situation ein schnelles Handeln unbedingt erforderte. Ein Zufall hatte gerade die drei Menschen, die in dem Falle Durgassow die Hauptrolle spielten, hier im Hamburger Hof zusammengeführt. Und jeden Moment konnte es geschehen, daß der Mann im grauen Pelerinenmantel das Gastzimmer betrat und ihn wiedererkannte, wodurch eine Aufklärung der mysteriösen Angelegenheit, wie der Doktor sie im Auge hatte, vielleicht für alle Zeiten vereitelt worden wäre.

Inzwischen war der Pikkolo, da der jetzt von seinen Gedanken völlig in Anspruch genommene Dreßler ihn nicht weiter beachtete, verschwunden. Der frühere Detektiv stand dabei auf und ging in das nebenanliegende Buffetzimmer, wo er dem dort mit Gläserspülen beschäftigten Kellnerlehrling erklärte, er wolle einmal zusehen, ob Herr Dräger vielleicht schon wach sei.

„Aber es ist doch erst 1/48,“ meinte der Junge mit einem Blick auf den an der Wand hängenden Regulator. „Herr Dräger wird sicherlich noch schlafen.“

„Das macht nichts aus,“ beruhigte Dreßler ihn. „Wir sind so gute Bekannte, daß Dräger mir’s nicht verargt, wenn ich ihn auch jetzt schon wecke.“




Empfohlene Zitierweise:
Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/76&oldid=- (Version vom 31.7.2018)