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neuen Inspektionsreise rüsten. Mich beherrschte während der ganzen Fahrt nur ein Gedanke: Der, daß ich mein Geld durch leichtsinnige Spekulationen vergeudet hatte! – Dazu, nochmals von vorn anzufangen, fehlte mir die Energie, so niedergeschlagen war ich. –

Eine unserer größten und ertragfähigsten Plantagen befand sich dicht bei Mudnapur, der Residenz des Fürsten Rasantasena. Dieser eingeborene Herrscher gehört zu den reichsten indischen Fürsten. Von seinen Schätzen, die er in einer besonderen Schatzkammer in einem Turme seines Schlosses aufbewahren sollte, hatte ich schon oft geradezu märchenhafte Dinge erzählen hören.

Als ich auf der Plantage eintraf, erlebte ich insofern eine sehr unangenehme Überraschung, als die vier dort angestellten weißen Aufseher ihre Stellen zum nächsten Termin kündigten. Da ich wußte, daß recht schwer Ersatz zu beschaffen sein würde, suchte ich sie durch das Versprechen baldiger Gehaltserhöhung zur Zurücknahme der Kündigung zu bewegen. Aber sie ließen sich auf keinerlei Verhandlungen ein. Ich wollte nun herausbekommen, aus welchem Grunde die vier Leute ihrer Stellung so plötzlich überdrüssig geworden waren. Als daher der Abend angebrochen war, schlich ich mich aus meinem Zimmer nach dem nahen Aufseherhäuschen, in dem die vier zusammen wirtschafteten. Ich hoffte, sie bei einem Gespräch belauschen zu können und so vielleicht einen Fingerzeig für die Ursache dieser auffallenden Kündigung zu erhalten. – Und ich hatte wirklich Glück. Sie saßen gerade eng beieinander auf der zu ihrem Hause gehörigen niedrigen Veranda und unterhielten sich in deutscher Sprache über ihre Zukunftspläne.

Ich will mich kurz fassen: Ihr Plan zielte auf nichts anderes als eine Beraubung der Schatzkammer des Fürsten Rasantasena ab. Sie beabsichtigten, in der Nähe des Schloßturmes, in dem sich die Schatzkammer befand, ein Häuschen zu erwerben und von dort aus einen unterirdischen Gang nach dem Turme

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Walther Kabel: Das Geheimnis eines Lebens. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1920, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Geheimnis_eines_Lebens.pdf/89&oldid=- (Version vom 31.7.2018)