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An der Inselwiese.

Wer recht in Freuden wandern will,
Der geh’ der Sonn’ entgegen:
Da ist der Wald so kirchenstill,
Kein Lüftchen mag sich regen;

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     Noch sind nicht die Lerchen wach,

     Nur im hohen Gras der Bach
Singt leise den Morgensegen.

Die ganze Welt ist wie ein Buch,
Darin uns aufgeschrieben

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In bunten Zeilen manch ein Spruch,

Wie Gott uns treu geblieben;
     Wald und Blumen nah und fern
     Und der helle Morgenstern
Sind Zeugen von seinem Lieben.

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Da zieht die Andacht wie ein Hauch

Durch alle Sinnen leise,
Da pocht an’s Herz die Liebe auch
In ihrer stillen Weise,
     Pocht und pocht, bis sich’s erschließt,

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     Und die Lippe überfließt

Von lautem, jubelndem Preise.

Und plötzlich läßt die Nachtigall
Im Busch ihr Lied erklingen,
In Berg und Thal erwacht der Schall,

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Und will sich aufwärts schwingen;

     Und der Morgenröthe Schein
     Stimmt in lichter Glut mit ein:
Laßt uns dem Herrn lobsingen!

 Emanuel Geibel.

Empfohlene Zitierweise:
: Das Hermanns-Denkmal und der Teutoburger Wald. Meyer, Detmold 1875, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Hermanns-Denkmal_und_der_Teutoburger_Wald.pdf/13&oldid=- (Version vom 31.7.2018)