Seite:Das Land Gigantea.pdf/26

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

es ja nicht, weil die Sonne nicht unter dem Horizont verschwand.

Da schlug Kräwel vor, die Umgebung der Farm abzusuchen. „Er muß in der Nähe den entführten Flugdrachen festgebunden haben. Ist dieser nicht mehr da, dann hat Wend fraglos die Absicht, sich hier fürs erste nicht wieder einzufinden, bis er annehmen kann, wir seien verhungert. Wahrscheinlich dürfte er uns diese Todesqual zugedacht haben.“

So begann denn die Suche nach dem Flugdrachen, und so brachte es ein Zufall mit sich, daß die Gefährten gegen Mitternacht dann auch an das Ufer des Morastes gelangten. Sie waren zusammengeblieben, um auf alle Fälle stets gemeinsam handeln zu können.

Da vernahm Ernst Pötter als erster plötzlich einen schwachen Hilferuf, lauschte, hörte abermals das dumpfe: „Hilfe – Hilfe!“ machte die Gefährten aufmerksam und erklärte gleichzeitig, man solle ja vorsichtig sein, da es sich vielleicht nur um eine Teufelei des Steuermanns handeln könne.

Alle traten daher hinter einen Erlenstamm und versuchten mit dem Gehör festzustellen, aus welcher Richtung die Hilferufe eigentlich kämen, Doch – so sehr sie auch aufpaßten, es war ganz unmöglich herauszubringen, wo August Wend – nur er konnte ja scheinbar der Angstgefolterte sein! – sich befand.

So verging eine gute halbe Stunde. Die sechs hinter der Erle waren jetzt überzeugt, der Steuermann halte sich nur verborgen, um die seinem Versteck sich Nähernden bequem durch Schüsse niederstrecken zu können.

Dann wurde Peter Strupp die Sache doch zu langweilig. „Ewig werden wir doch nicht hinter der Erle hocken,“ meinte er. „Ich wage es! Ich werde mal um jenes Gestrüpp herumgehen, das da zwanzig Meter vor uns die Aussicht auf den Sumpf versperrt. Vielleicht ist Wend in ein Morastloch hineingeraten.“

Er verschwand dann auch hinter der grünen Wand, blieb lange aus. Inzwischen ließen sich die Hilferufe in immer größeren Pausen und immer schwächer vernehmen.

Empfohlene Zitierweise:
W. Belka: Das Land Gigantea. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1919, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Das_Land_Gigantea.pdf/26&oldid=- (Version vom 31.7.2018)