Seite:De Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes (Möbius).djvu/55

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herausstellte, dass das Gehirngewicht des Hauptvertreters dieser Ansicht … hinter dem Durchschnittsgewicht weiblicher Gehirne zurück blieb, hat man diesen Beweis fallen lassen.“ Ich bedaure, dass ich auf solche – sagen wir irreführende Angaben eingehen muss, aber es hilft nichts. Jeder muss jene Aeusserung auf Bischoff beziehen. Um möglichst sicher zu gehen, habe ich mich an Herrn Prof. Bollinger gewendet, der die Section bei Bischoff gemacht hat. Er hatte die Güte, mir mitzutheilen, dass der mit 76 Jahren verstorbene, etwa 180 cm lange Bischoff ein Hirngewicht von 1330 g hatte. Nach Bischoff’s eigener Tabelle beträgt das mittlere Hirngewicht bei Männern von 70–85 Jahren 1279 g (aus 24 Fällen berechnet, darunter B.’s eigener 79jähriger Vater mit 1452 g). Mithin übertraf Bischoff’s Hirngewicht das Mittel bei Männern. Das mittlere Hirngewicht bei Weibern von 70–82 Jahren (18 Fälle) beträgt nach Bischoff 1121 g. Wieviel im einzelnen Falle der Alters-Schwund ausmacht, ist schwer zu sagen. Durchschnittlich wird sowohl nach Bischoff’s wie nach Boyd’s Tabellen ein Mann im 8. Jahrzehnt 100 g oder mehr verloren haben. Da der Schädel sich im Alter nicht wesentlich verändert, so würden die Schädelmaasse auch beim Alten einen Rückschluss auf seine gute Zeit gestatten. Merkwürdiger Weise hat der 82 jährige Pettenkofer bei ca. 170 cm Länge auch 1330 g Hirngewicht gehabt. –

Woher kommt Dir, fragt man mich, der Zorn gegen „das neue Weib“? Sicher nicht aus persönlichen Erwägungen, denn ich stehe ganz allein und habe keine persönlichen Wünsche mehr, auch hat mir niemals ein neues Weib etwas zu leide gethan. Dass ein wirklicher Zorn mich erfasste, das war bei Gelegenheit von Ibsen’s Nora. In diesem Stücke handelt es sich darum, dass die Nora, die als kleines dummes Frauenzimmer geschildert wird, schliesslich auf- und davongeht, weil ihr Mann sie ihrer Meinung nach als Puppe behandelt hat. Was Ibsen sich eigentlich dabei gedacht hat, weiss ich nicht; man bekommt ja in der Regel nicht heraus, was der Apotheker-Dichter will[1]. Zu seiner Ehre möchte ich annehmen, dass er die Gesinnung, der Nora huldigt, mit


  1. Wenn uns doch ein gütiges Geschick von der ganzen nordischen und anderweiten Lazareth-Poesie erlösen mochte!
Empfohlene Zitierweise:
Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold, Halle a. S. 1903, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/55&oldid=3262695 (Version vom 31.7.2018)