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Besorgungen für das Häuschen zu helfen. Nur wenige Worte enthält mein Tagebuch darüber, aber die rufen mir alles wieder lebhaft vor Augen.

Ob Sie sich wohl auch noch daran erinnern?

Es war Winter. Wir gingen durch das finstre Tor der Tatarenstadt und dann über die Bettlerbrücke, uns mühsam einen Weg bahnend zwischen langen Zügen mongolischer Kamele, zahllosen wirr durcheinanderfahrenden blauen Karren und einem Gewühl seltsam fremdartiger Menschen: Mongolen, in breitabstehenden Pelzmützen und dicken ockergelben und kupfrig roten Röcken; Chinesen, fröstelnd trotz ihrer vielen wattierten Gewänder, die Hände unter den lang überhängenden Ärmeln verborgen, auf dem Kopf einen spitz in die Höhe stehenden roten Baschlick, der fest um den Hals zugebunden war. Andere trugen über den Ohren kleine Pelzfutterale; man konnte sie oft mehrmals anrufen, sie hörten gar nichts und wurden beständig von Karren und Reitern angerannt.

Das waren die Wohlhabenden, die sich gegen die Kälte zu schützen vermochten, aber auf der Bettlerbrücke, zwischen den kleinen offenen Buden und Garküchen, drängte sich eine Menge grausiger Gestalten; halb nackt waren manche und die abgemagerten Körper zitterten vor Kälte; wir sahen eingefallene Gesichter, blaue Lippen, violette, halb

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/226&oldid=2801119 (Version vom 11.5.2016)