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geigendem Mönch, dem die Engelchen lauschen. – Liebes altes Deutschland? Wäre doch Dein Raum so groß wie Dein Gemüt, daß all Deine fern verstreuten Kinder bei Dir Platz fänden! –

Evchen hatte sich den Böcklin andächtig betrachtet, nun lief sie ans Fenster und drückte sich das Näschen an den Scheiben platt.

»Was machst Du denn da,« fragte ich sie.

»Ich gucke, ob da draußen auch Engelchen herumfliegen,« antwortete sie und setzte dann hinzu: »nein, hier gibt’s keine.«

Ich schaute mit dem Kind hinaus in die Straße mit den vielen gleichmäßigen Häusern, an deren einem Ende, ganz nah von uns, eine Station der Hochbahn war. Ein hellleuchtender Zug kam herangesaust, hielt einen Augenblick und brauste dann weiter.

»Der Eisenbahn gefällt es hier nicht,« sagte Evchen, »sie eilt sich so sehr her zu kommen und dann geht sie immer ganz schnell wieder fort.«

»Liebes Kind,« sagte der Konsul zu seiner Frau, »gibt es nicht bald was zu essen?«

Sie fuhr aus all den heimatlichen Paketen empor: »Aber ja, es muß alles schon fertig sein.«

Sie klingelte, aber Ursache und Wirkung folgten nicht aufeinander. Nun ging sie hinaus, kam aber bald mit bestürztem Gesicht zurück, trat an ihren

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Elisabeth von Heyking: Briefe, die ihn nicht erreichten. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Briefe_die_ihn_nicht_erreichten_Heyking_Elisabeth_von.djvu/82&oldid=3239182 (Version vom 31.7.2018)