Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/24

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Die kleine Dame nickte ein wenig verschämt. „Es ist Dilettantenarbeit, mein Schwiegervater hat es gemalt, und aus Pietät für ihn lasse ich es da hängen. Ich habe, glaub’ ich, nie so ausgesehen,“ fügte sie mit gutmüthiger Selbstironie hinzu, „man hängt ja sonst auch nicht die eigenen Bilder sich ins Zimmer.“

Iversen warf einen überraschten Seitenblick auf das schwarz gekleidete Figürchen neben sich. „Es ist noch heute eine gewisse Ähnlichkeit,“ meinte er freundlich, „die Augen und sogar der ganze Ausdruck; wie lang ist das nun her?“

„Vierzig Jahre!“ Und als sie bemerkte, daß ihm vor der hohen Zahl unwillkürlich schauderte, sagte sie mit einem leisen Seufzer: „O weh, wie sind verschwunden alle meine Jahr’! Ist mir mein Leben geträumet, oder ist es wahr?“

„Ja, der Vogelweider hat es auch erfahren,“ fiel Iversen ein, „aber Sie können wirklich zufrieden sein, verehrte Frau – ach du lieber Gott, wo wird unsereins nach vierzig Jahren sein, und wie wird er aussehen!“ Er schüttelte sich lachend. Dann sah er noch einmal auf das Bild. „Und die Harfe ist nur Decoration, oder –“

„Nein, ich habe ziemlich viel gespielt –“

„Spielen Sie noch?“ fiel Iversen ein. „O, das müssen Sie mich, bitte, einmal hören lassen, das

Empfohlene Zitierweise:
Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/24&oldid=- (Version vom 19.8.2019)