Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/44

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er verrückt geworden sei, hatte der Mensch ungerührt sich vertheidigt: „Du glaubst doch nicht etwa, daß ich dieses hier, Tulpen, nicht wahr? daß ich sie gekauft habe? Nein, ich habe sie in Zahlung angenommen, der arme Gärtnerbursche, weißt du, der eine Zeit lang bei mir hauste und jetzt wieder in Stellung ist. Aber was soll ich mit solchem Zeug? Ich dachte gleich an dich. Für einen Ästhetiker und Gourmand wie du bist –“

Hätte man nur gewußt, ob wieder Hoffmann! Freilich das Verschen, und zu einem in „Zahlung genommenen“ Strauß?

Plötzlich ward es ihm sonnenklar: dies war einer von Anneli’s Streichen! Wer weiß, ob sie die Blumen nicht in Verkleidung selber gebracht hatte! Der Gedanke an diese Möglichkeit, die er durch sein Ausgehen versäumt hatte, erregte seine Phantasie, sein Blut. Vor dem Theater vielleicht. Je abenteuerlicher, desto besser. Und hier, hier in seinem Zimmer wäre sie gewesen, hätte er sie empfangen, in die Arme schließen, küssen können! War es nicht das, was sie ihm im Foyer hatte sagen wollen, und seine Rauheit hatte das süße Bekenntnis in ihren Mund zurückgeschreckt? Er war rauh, mehr als das, er war roh gewesen! Ihr Erbeben und Erbleichen unter seinen grob zutappenden Reden – vorhin hatte er’s für Komödie genommen, jetzt aus der Ferne rührte es

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/44&oldid=- (Version vom 31.7.2018)