Seite:De Flügel auf Frapan Ilse.djvu/48

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Iversen las es und sprach es vor sich hin, als habe er’s zum ersten Mal gehört. Es war der ganze Inhalt eines Briefchens, das er heute Nachmittag, verschlossen in ein weißes Couvert, auf seinem Tisch gefunden. Dieselbe große Handschrift wie das vorige Mal. Wenn es wirklich von Anneli herrührte, mußte sie einen männlichen Vertrauten haben, den sie an ihrer Statt schreiben ließ. Vielleicht hatte auch der ihr zu dieser Antwort gerathen. Anneli und ein Faustcitat, das ging auf geradem Wege schwerlich zusammen.

So viel ist sicher, bei dem ersten Blick auf diese Zeilen glaubte er nicht mehr, daß sie von ihr seien.

„Gefühl ist alles“ – das Mädchen würde so nicht sprechen, auch nicht mit den Worten eines Anderen. Später besann er sich: Gerade das sah ihr ähnlich. Eine Maske, eine großartige, vor ihr Schelmengesicht binden und dann dahinter vorkichern: „Ätsch! hab ich dich an der Nase geführt“ Oder war er so klein, so kurzsichtig, daß er des Mädchens eigentliche Seelentiefe nicht zu erkennen, zu beurtheilen vermocht hatte? Auch möglich

Wieder nahm er seine Zuflucht zu der Doktorin Röslin. Sie saß an ihrem Schreibtisch, die Fenster zu beiden Seiten ließen kaum mehr Licht ein, so üppig drängten die Kastanienzweige sich heran. „Sie haben hier eine ganz tropische Landschaft um sich herum,“ er deutete auf die großen Fächerpalmen, die den Eckplatz

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Ilse Frapan: Flügel auf!. Paetel, Berlin 1895, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Fl%C3%BCgel_auf_Frapan_Ilse.djvu/48&oldid=- (Version vom 31.7.2018)