Seite:De Suchende Seelen (Meisel-Heß).djvu/100

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Ein heißes, dunkles Rot stieg in die Wangen des Kindes. Die beiden gütigen Hände, in denen ihr Kopf ruhte, schienen ihr plötzlich wie glühende Klammern, und sie hätte die Augen schließen mögen, nur um diesem grauen, klaren Blick nicht zu begegnen.

„Käthe,“ sagte die Vorsteherin, „ich weiß, du lügst nicht. Du hast noch nie mit Worten gelogen – nicht wahr?“

Käthe schwieg. – Aber etwas Neues, Fremdes stieg langsam in ihr auf, mit brennender, quälender Ahnung … Es sauste in ihren Ohren, und wie von ferne hörte sie die Worte der Vorsteherin: „… Es gibt eine Lüge, die nicht mit Worten gesprochen wird

Empfohlene Zitierweise:
Grete Meisel-Heß: Suchende Seelen. Leipzig 1903, Seite 102. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Suchende_Seelen_(Meisel-He%C3%9F).djvu/100&oldid=3256558 (Version vom 31.7.2018)