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dehnt sich behaglich und läßt ihren trüben, unbeweglichen Blick auf dem Fenster haften… Auf den Scheiben flossen Tränen und schimmerten kurzlebige Schneeflocken. Eine Flocke fällt aufs Glas, sieht die Küsterin an und zerrinnt.

„Komm schlafen!“ knurrte der Küster.

Die Küsterin schwieg. Aber auf einmal bewegten sich ihre Wimpern, und in ihren Augen blitzte Aufmerksamkeit. Ssawelij, der die ganze Zeit unter der Decke hervor den Ausdruck ihres Gesichts beobachtet hatte, steckte den Kopf heraus und fragte:

„Na?“

„Nichts… Ich glaub’, da kommt einer gefahren…“ antwortet die Küsterin ganz leise.

Der Küster stieß die Decke mit Händen und Füßen von sich, kniete sich im Bett auf und starrte auf seine Frau. Das schüchterne Licht des Lämpchens beleuchtete sein haariges, pockennarbiges Gesicht und fiel auf seinen verfilzten, zotteligen Kopf.

„Hörst du?“ fragte die Frau.

Durch das eintönige Geheul des Unwetters vernahm er einen dünnen, metallischen Klageton, den das Ohr kaum einfangen konnte. Es klang wie das Summen einer Mücke, die sich einem auf die Backe setzen will und böse ist, weil sie verscheucht wird.

„Das ist die Post,“ knurrte Ssawelij und hockte sich auf die Fersen.

Drei Werst von der Kirche führte die Poststraße vorbei. Wenn Wind ging und er von der großen Straße her nach der Kirche stand, konnten die Bewohner des Wächterhäuschens die Glocken hören.

Empfohlene Zitierweise:
Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/081&oldid=- (Version vom 31.7.2018)