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mehr davon sagen. Ich sage Ihnen offen und ehrlich, daß ich mein Betragen für verwerflich und unmoralisch halte. Was wollen Sie mehr? Wozu aber das wiederholen, was schon allen bekannt ist? Anstatt mir Moralpredigten zu halten, sagen Sie mir doch lieber, was ich dann tun soll?“

„Ich habe es Ihnen schon gesagt: fahren Sie fort von hier!“

„Ich – Sie wissen das ganz gut – war schon fünfmal weggefahren, und immer wieder bin ich auf halbem Wege umgekehrt! Ich kann Ihnen die Fahrkarten zeigen… Ich habe nicht die Kraft, Sie zu fliehen. Ich kämpfe, kämpfe furchtbar, aber was zum Teufel soll ich machen, wenn ich keine Energie habe und schwach und willenlos bin! Ich kann nicht gegen die Natur! Verstehn Sie mich? Ich kann es nicht! Ich will von hier fliehen, und sie zieht mich an den Rockschößen wieder zurück. Eine verdammte, niederträchtige Schwachheit!“

Iljin errötete, stand auf und ging einigemal um die Bank herum.

„Wütend bin ich, wie… wie…!“ murmelte er, die Fäuste ballend. – „Ich hasse mich selbst und verachte mich! Mein Gott, wie so ein dummer Junge mache ich einer fremden Frau den Hof, schreibe blödsinnige Briefe, erniedrige mich… a – ah!“

Iljin griff nach seinem Kopf, hustete und setzte sich.

„Und dazu noch Ihre Unaufrichtigkeit!“ fuhr er erbittert fort. „Wenn Ihnen meine Absichten mißfallen, wozu sind Sie denn hierher gekommen? Was zog Sie hierher? In meinen Briefen bat ich Sie bloß um eine kategorische Antwort, ein einfaches Ja oder Nein. Sie aber, anstatt mir

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Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/104&oldid=- (Version vom 31.7.2018)