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stumm und fuhr ihm mit einem Kamm durch seine blonden Haare. Sie wollte seine Frisur in Ordnung bringen.

„Was ist?“ fragte er zusammenfahrend, als hätte ihn etwas Kaltes berührt, und öffnete die Augen. „Was ist? Ich bitte Sie, lassen Sie mich in Ruhe.“

Er schob sie mit den Händen zurück und ging auf die Seite, und sie glaubte in seinem Gesicht Ekel und Aerger zu lesen. In diesem Augenblick brachte ihm die Bäuerin vorsichtig, mit beiden Händen einen Teller mit Kohlsuppe, und Olga Iwanowna sah, wie sie ihre Daumen in der Suppe badete. Das schmutzige Weib mit dem zusammengeschnürten dicken Bauch, die Kohlsuppe, die Rjabowskij mit Gier zu essen begann, die Bauernstube und dieses ganze Leben, das sie früher seiner Einfachheit und malerischen Unordnung wegen so sehr geliebt hatte, – das alles erschien ihr jetzt entsetzlich. Sie fühlte sich gekränkt und sagte kühl:

„Wir müssen uns für einige Zeit trennen, sonst können wir uns vor lauter Langeweile ernsthaft verzanken. Ich habe es satt. Heute reise ich ab.“

„Wie? Auf des Schusters Rappen?“

„Heute ist Donnerstag, um halb zehn geht also der Dampfer.“

„So? Ja gewiß… Nun, verreise…“ sagte er mild, sich den Mund statt mit einer Serviette mit einem Handtuch wischend. „Du langweilst dich hier und hast nichts zu tun. Ich müßte ein großer Egoist sein, um dich zurückzuhalten. Reise nur heim, und nach dem Zwanzigsten sehen wir uns wieder.“

Olga Iwanowna packte ihre Sachen in bester Laune, und ihre Wangen röteten sich vor Freude. – Ist es denn wahr, – fragte sie sich, – daß ich meine Skizzen bald in meinem

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Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 155. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/155&oldid=- (Version vom 31.7.2018)