Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/079

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


Wochen waren vergangen. Cornelie befand sich vollkommen wol, der kleine Tristan gedieh aufs Beste, Eustach war die Liebenswürdigkeit selbst, Gotthard wurde trüber und immer trüber, und ein geübteres Auge als Dorotheens würde jezt nicht mehr Zweifel haben können ob er traurig sei oder schläfrig. Ich muß fort! sprach er eines Morgens zu sich selbst; langsam, langsam kriecht mir die Liebe an's Herz hinan, umschlingt und zermalmt es .… das kann ich nicht aushalten. Ueberdas seh ich nicht ein warum die Liebe grade jezt kommt! Als ich sie zuerst kennen lernte war doch ein Moment wo sie sich allenfalls zu mir hätte neigen können, vernachlässigt wie sie damals von Sambach wurde. Und als ich sie wiedersah, in Ems, war wieder so ein entscheidender Moment, nach dem Tode des einzigen Kindes, wo das Herz sich hätte leer fühlen und mir zuneigen können –

und dann wäre das meine aufgelodert. Aber warum mir das jezt geschieht, grade jezt, wo ihre Ehe einen gewissen prosaischen Anstrich bekommen hat, eine matrimoniale Gelassenheit, und durch den Knaben ein friedliches Glück für Gegenwart und Zukunft – das ist räthselhaft! Ich will fort.

Er ging zu Cornelien und fand sie allein in ihrem Kabinet. Das war ein kleines rundes Gemach

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/079&oldid=3262043 (Version vom 31.7.2018)