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Corneliens Brief. Er fand ihn stolz, kalt, voll Selbstüberschätzung, ohne christliche Liebe und Demuth.

„Auf diesem Wege ist der Seelen Seligkeit, Friede in Christo, nicht zu finden, sprach er. Auf dem Pfade der Hoffahrt liegt kein Heil. Das Kreuz welches der Herr uns auferlegt sollen wir tragen; nicht das, welches wir uns eigenmächtig uns selbst auserlesen haben. Für jenes verleiht Er uns die nothwendige Stärke, die von oben kommt. Für dieses sind wir auf unser Herz, das „ein trotziges und verzagtes Ding“ ist, angewiesen und in der tiefsten Trübsal wissen wir nicht wohin uns wenden, denn wir haben das Kreuz aus Seiner Hand verschmäht und dadurch Ihn verleugnet.“

Aurora schrieb Cornelien einen Jammerbrief, worin sie dieselbe beschwor abzustehen von ihrer unchristlichen, rationalistischen, heidnischen Gesinnung des Uebermuths und des Selbstvertrauens auf eigene Kraft und demüthig zu Christus zurückzukehren und sich dem Willen des Höchstens zu fügen, der sie zu Eustachs Weib bestimmt habe.

Cornelie antwortete ihr höchst gelassen: sie habe ja bereits ihre Gründe angegeben, weshalb sie sich von Eustach getrennt hätte; sie könne nichts thun als dieselben, statt fernerer Verneinung, wiederholen. Was ihre heidnische Gesinnung beträfe, so verstände

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/114&oldid=3262078 (Version vom 31.7.2018)