Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/135

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Welt überstralend; dort allmälig, Stern um Stern, friedlich wie die Gestirne die am nächtlichen Firmament nacheinander heraufrollen, und den Himmel der Nacht in seiner Art eben so heilig, herrlich und schön machen, als den Himmel des Tages. Tausend Schattirungen stufen diese entgegengesetzten Erscheinungen ab – Schattirungen so unglaublich nüancirt als es verschiedene Menschenherzen giebt, und daher sehr schwer von Denen zu begreifen und zu erkennen, welche in einer andern Schattirung des Gefühls die Liebe empfunden haben.

Gotthards Liebe war so recht die der stillen Nacht: Stern um Stern, immer dunkler die Erde, immer lichter der Himmel, und dieser Himmel – das Wesen der Geliebten. Er selbst begriff es nicht, weder sich, noch diese Liebe, noch diese Frau. Er versuchte nachzudenken wie denn das allmälig so gekommen sei – von der ersten Zeit in Landeck, als er zu Madame Orzelska sprach: ich habe auch die Gräfin lieb, und sie in seinem Sinn nie anders nannte als „arme Kleine“; da war etwas von Mitleid und von Leichtsinn in seinem Gefühl – so recht wie er selbst damals war. Dann in Ems, als er sie so schön, so geistvoll, so überlegen, so ausgebildet, fast beherrschend wieder fand; da war es staunende Verehrung über dies klare Wesen in

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 134. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/135&oldid=3262099 (Version vom 31.7.2018)