Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/171

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Communismus einen eben so natürlichen und berechtigten Gegensatz gegen die jezt herrschende und drückende Uebermacht des Reichthums, als es vor fünfzig Jahren die Gleichheit der Menschenrechte gegen die Uebermacht der Geburt war, und ich habe auch die Ueberzeugung, daß er sich, eben so gut wie sein Vorgänger, dereinst wird Geltung verschaffen – natürlich unter den furchtbarsten Convulsionen! denn die Reformation war eine Mündigkeitserklärung des Menschen in seinem religiösen –

die französische Revolution in seinem geistigen Freiheitsrecht. Jezt bereitet sich die dritte Umwälzung vor und das wird die grimmigste sein, weil der Hunger sie machen wird.“

Cornelie und Leonor fanden das größte Vergnügen an diesen Unterhaltungen, besonders weil sie so verschiedene Ansichten hatten und sich nun angeregt fühlten sie zu vertheidigen und ihnen, wenn auch keinen Sieg, doch Anerkennung zu verschaffen. Unbedingte Uebereinstimmung der Meinung ist in keinem Verhältniß wünschenswerth, weil mit ihr die Uebung in Verständigung, Toleranz, Nachsicht wegfällt. Nur tyrannische oder beschränkte Naturen können sie begehren; für wirklich denkende, gebildete, freisinnige, ist sie der ermunternde Reiz des intimen Umgangs der, ach wie leicht! schläfrige Allüren

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 170. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/171&oldid=3262135 (Version vom 31.7.2018)