Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/196

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Mehr verlange ich nicht. Du wirst redlich gegen Dich selbst sein und Illusionen aufgeben; denn unter Umständen können absichtlich gepflegte Illusionen – Lügen genannt werden. Dein Wort, Leonor.“

Sie hielt ihre Hand hin; er legte ernst die seine hinein, und Dorothee ging indem sie sagte:

„Gott mit Dir, Leonor.“

Lange saß er über sich selbst brütend da. Endlich fuhr er auf und rief zornig: Welch einen Drang die unverheiratheten Frauenzimmer haben sich in andrer Leute Angelegenheiten zu mischen, und bei allen Dingen ihren Rath, ihr Wort, ihre Predigt dazu zu geben – das ist zum Verzweifeln. Neugier, Klatscherei, Einmischung, Verleumdung, Aufdringlichkeit, all' diese Fehler, die ich das Ungeziefer unter den Fehlern nenne – so wie es auch reißende und giftige Thiere darunter giebt – lassen sie sich zu schulden kommen, und bilden sich Wunder ein was für wichtige Dienste sie mit ihrem aufgedrungenen Rath der Menschheit leisten. – Arme Dorothee, setzte er nach einer Pause hinzu, du hast ganz Recht! du kennst mich genau .… ich muß ernst erwägen was ich zu thun habe.

In gleicher Stimmung befand sich Cornelie. Sie saß an ihrem Schreibtisch; das Buch in welchem sie mancherlei Gedanken, Bemerkungen, Urtheile,

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/196&oldid=3262160 (Version vom 31.7.2018)