Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn) v 2.djvu/201

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„Meine Liebe Gehört Dir, entgegnete sie ruhig, aber ich trage die Fessel meines Verhängnisses. Das Verhängniß ist die ganze Kette unsres Schicksals, deren Anfang und Ende in der Hand Gottes liegt, und von der wir uns nicht losmachen können. Glaube mir, jeder Mensch hat sein Verhängniß, für das und gegen das er nichts kann; er muß sich ihm unterwerfen wie dem Alter und wie dem Tod.“

„Unterwerfen? Du, die so stark, so standhaft ihr Recht durchgesetzt und sich nicht dem Gemal unterworfen hat, Du Cornelie sprichst von Unterwerfung!“

„Ja, Leonor, weil ich nicht das Bewußtsein des Rechtes habe um mich darauf zu stützen. Das ist bei mir die höchste, die letzte Instanz; so hab' ich's in meinem ganzen Leben gehalten, und daß ich's jezt so halte, mitten auf diesem Ozean der Leidenschaft, der mir wie jede Unermeßlichkeit lockend winkt und fernab mit dem Himmel zu verschwimmen scheint – der mir Inseln der Seligen zeigt, und ich weiß nicht was für berauschende, magische Bilder vorspiegelt – zwischen dessen Klippen und Wogen mein Lebensnachen fremd und unerfahren ist – daß ich's dennoch so halten will .… dazu sei Gott mir gnädig .… und Du, Leonor!“

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Zweiter Band. Berlin 1845, Seite 200. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn)_v_2.djvu/201&oldid=3262165 (Version vom 31.7.2018)