Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 2.pdf/613

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einigen romanischen Völker in einem beklagenswerten Grade verfallen sind. Was erreicht werden soll und kann, das ist der Glaube an die Vernünftigkeit auch eines anderen Standpunktes, wodurch die Möglichkeit eines friedlichen Nebeneinanderwirkens geschaffen wird.

Dieses Ziel wird am sichersten erreicht durch die Weitherzigkeit und Selbstverleugnung, mit welcher unser Kaiser sich in die Anschauungen der Katholiken hineinzuleben bestrebt ist, aus welchem Bemühen heraus er alle die Beweise von Wohlwollen und Entgegenkommen gab, durch die er die Herzen seiner katholischen Untertanen für immer sich gewonnen hat. Aus diesem Bestreben heraus gelang es ihm auch, die rechten Männer zu finden, die in seinem Geiste arbeiteten und seine Ideen verwirklichen halfen. Was der eine unvergeßliche Althoff in dieser Richtung geleistet hat, wird eine spätere Generation bewundernd und dankbar rühmen, wenn einige mehr persönliche Gegensätze, die seine allgemeine Anerkennung zu Lebzeiten hinderten, vergessen sein werden.


Es ist nicht lauter Erfreuliches gewesen, was um auf unserem Rundgange begegnete; aber immerhin war auch viel Erfreuliches zu konstatieren. Und was mehr ist: es zeigte sich im Vergleich zu früheren Zuständen, die zur Illustration und zum Verständnis der gegenwärtigen heranzuziehen waren, ein zweifelloser, mit Genugtuung erfüllender Fortschritt. Das Erfreulichste aber sind die zahlreichen Keime künftiger Entwickelung, die wir wahrnehmen durften, und die uns einen frohen Ausblick in eine schöne Zukunft eröffnen. Wenn eine Institution im Deutschen Reiche Grund hat, Sr. Majestät dankbar zu sein, so ist es die katholische Kirche, der unter seiner Regierung die Sonne kaiserlicher Huld so warm geschienen und eine freudige Mitwirkung zur Lösung der nationalen Aufgaben ermöglicht hat; wenn eine Institution Grund hat, von unserem Kaiser noch Großes zu hoffen, so ist wiederum sie es, die nach dem bisher erfahrenen Wohlwollen die Verheißung Sr. Majestät, das deutsche Volk noch herrlichen Tagen entgegenzuführen, auf ferneren wirksamen Schutz zur vollen Entfaltung aller ihrer reichen Kräfte deuten darf. Der Herrscher, der im ersten Vierteljahrhundert seiner Regierung jene Verheißung gerade auf kirchlichem Gebiete schon in mancher Hinsicht wahr gemacht hat, bietet durch seinen trotz allen bitteren Erfahrungen unverwüstlichen Optimismus die Garantie, daß er in einem weiteren Vierteljahrhundert, das ihm nach menschlichem Ermessen sicher beschieden sein dürfte, die Segnungen ungehemmter religiöser Betätigung und dauerhaften religiösen Friedens unserm Vaterlande in immer reicherem Maße vermitteln werde.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 2. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1050. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_2.pdf/613&oldid=- (Version vom 31.7.2018)