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der furchtbaren Hauttuberkulose, des Lupus, spielen das Finsenlicht, die Kromayersche Quarzlampe und die Röntgenstrahlen heute eine solche Rolle, daß der operative Eingriff daneben völlig in den Hintergrund getreten ist. Geradezu wunderbar aber sind die Erfolge, welche bei allen Formen chirurgischer Tuberkulose mit der Heliotherapie, der Sonnenbehandlung im Hochgebirge, erzielt werden. Es ist das Verdienst Rolliers in Leysin, diese Art der Behandlung systematisch ausgebildet und gerade bei der äußeren Tuberkulose wahrhaft verblüffende Resultate erzielt zu haben. Hoffentlich finden sich Mittel und Wege, um das segensreiche Verfahren auch im Deutschen Reiche einzuführen und es allen Bevölkerungsklassen, auch den unbemittelten, zugänglich zu machen. So erfreulich die an den Küsten unserer Meere erzielten Resultate sind, mit den Erfolgen der Behandlung im Hochgebirge, wo die Sonne keine Dunstschicht des Tieflandes zu durchdringen braucht, können sie nicht wetteifern.

Syphilis.

Eine völlige Umwandlung hat in den letzten Jahren die Lehre von der Syphilis erfahren. Die jahrhundertelang dunkle Ursache der auch für den Chirurgen höchst wichtigen Krankheit wurde im Jahre 1905 durch Schaudinns Entdeckung der Spirochaete pallida geklärt, die Diagnose ist durch Wassermanns sinnreiches serodiagnostisches Verfahren auf eine zuverlässige Grundlage gestellt worden, und Ehrlich fand im Salvarsan das wirksamste bisher bekannte Heilmittel der völkerverheerenden Krankheit. Drei Großtaten, die stets ein Ruhmesblatt in der Geschichte deutscher medizinischer Wissenschaft bilden werden!

Erforschung und Bekämpfung des Krebses.

Weniger Erfolg ist der Erforschung und Bekämpfung des Krebses beschieden gewesen, doch scheint auch hier die Hoffnung auf bessere Zeiten zu dämmern. Allerdings haben wir gerade auf diesem Gebiete so viele und schwere Enttäuschungen erlebt, daß größte Zurückhaltung am Platze ist.

Die beiden wesentlichen Errungenschaften der Krebsbekämpfung während der letzten 25 Jahre liegen in der Vervollkommnung der Krebsoperationen und in der Nutzbarmachung der Radiotherapie. Die eigentliche Ursache der Krebserkrankung allerdings ist noch immer ungeklärt, und so tappen wir mit unseren therapeutischen Maßnahmen bis zu einem gewissen Grade im Dunklen. Immerhin hat die pathologisch-anatomische, epidemiologische und experimentelle Forschung schon so manches der vielen Krebsprobleme gelöst, und es ist zu hoffen, daß die ungeheure Arbeit, welche auf der ganzen Erde und vielfach in besonderen Krebsinstituten auf die Erforschung der schrecklichen Krankheit verwandt wird, auch hier uns endlich die ersehnte Klarheit bringen wird.

Krebs-Operationen.

Solange ein sicheres Heilmittel des Krebses nicht gefunden ist, – und leider sind wir trotz manchen bemerkenswerten Erfolges noch weit von diesem Ziele entfernt – wird die Operation ihre herrschende Stellung in der Behandlung des Karzinoms behalten. Erst wenn das Aftergebilde aus dem menschlichen Körper entfernt oder wenn es nicht mehr operabel ist, treten die übrigen Behandlungsmethoden in ihr Recht. Die Notwendigkeit der operativen Inangriffnahme ergibt sich aus der unerschütterlich feststehenden Tatsache,

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1380. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/251&oldid=3270719 (Version vom 31.7.2018)