Seite:Deutschland unter Kaiser Wilhelm II Band 3.pdf/378

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es gibt vielleicht kein besseres Beispiel als dieses zum Beweis der alten Wahrheit, daß eine Sammlung von Tatsachen noch keine Wissenschaft ist, daß eine solche vielmehr erst durch zielbewußtes Ordnen aus den Tatsachen gewonnen werden kann. Hier liegt freilich eine Riesenaufgabe vor, zu deren Lösung eine große Organisation erforderlich sein würde, während sie bisher, auch in Deutschland, der Initiative Einzelner überlassen geblieben und daher nicht über unzulängliche Anfänge hinausgekommen ist. Vielleicht kommt die Zeit, in welcher sich das Patentamt der wissenschaftlichen Aufgabe stärker bewußt wird. Vielleicht findet sich dann auch ein Organisator, der es versteht, die vergrabenen Schätze der Allgemeinheit in ähnlicher Weise zugänglich zu machen, wie es einem Oskar v. Miller bei der großartigen Schöpfung des Deutschen Museums in München gelungen ist, einem Werke, welches schon jetzt zur Förderung und Verbreitung der technischen Wissenschaften und der öffentlichen Anerkennung der Bedeutung der Technik in hohem Maße beiträgt, und von welchem man hoffen darf, daß es diesem Kulturgebiet auch mehr und mehr tüchtige Kräfte als Mitarbeiter zuführen wird.

Wie in dem der Maschinenindustrie gewidmeten Teile dieses Werkes ausgeführt wird, hat die Maschinenfabrikation in den letzten Jahrzehnten auch in Deutschland große Fortschritte gemacht. Es ist der Verbreitung gründlicher wissenschaftlicher Ausbildung unter den deutschen Ingenieuren zu verdanken, daß der deutsche Maschinenbau immer mehr von den Leistungen des Auslandes unabhängig geworden ist. Die eigentlichen Begründer dieses erfreulichen Zustandes sind aber die Männer, welche das Lehrgebäude geschaffen haben, dessen Erfolge die Gegenwart genießt, Lehrer und Gelehrte, deren Namen in allen Kulturländern bekannt geworden sind. Wir gedenken hier insbesondere der auf deutschem Boden geschaffenen klassischen Werke von Weisbach, Rühlmann, Redtenbacher, Grashof, Zeuner, Reuleaux, Radinger u.a. Ihre Nachfolger bestellen das Feld für eine neue Generation. Möge die Saat reifen unter der Sonne des Friedens und reiche Frucht bringen!

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Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1507. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/378&oldid=- (Version vom 20.8.2021)