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Neugestärkt, in dieses Land des Frühlings

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Niedersteigen uns, geliebter Bruder!


Voll Bedacht darauf erwiedert Assad:
Mich, wie dich, beflügelt solch ein Anblick
Nach der Drangsal! Aber ohne Vorsicht
Ziemt es nicht dem unbekannten Fremdling

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Sich zu mischen unter Unbekannte.

Laß zuerst mich, ohne dich, hinabziehn,
Auszuforschen jener Menschen Sitten,
Ihr Gemüt und ihren Gottesglauben;
Bald, mit Lebensunterhalt beladen,

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Kehr’ ich wieder, bringe bald'ge Kundschaft.

Ihm entgegnet Assur: Zwar den Jüngern
Nenn’ ich mich, doch nicht an Mut Verzagtern;
Trugst du doch des ganzen Zugs, o Bruder,
Größere Mühe, der du stets die Pfade,

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Mir voran, mit deinem Schwerte bahntest!

Diesem Späherdienst hingegen fühl’ ich
Mich gewachsen, als ein Liebeszeichen
Fodr’ ich ihn von deiner Huld, Geliebter!

Also sprechend drückt er rasch die Hände

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Seines Bruders, rafft sich auf und schreitet,

Mehr im Lauf, als im gemess'nen Wandel,
Steile Felsenwege fröhlich abwärts.
Als am Thor der Stadt er angelangt war,
Kommt ein Greis entgegen ihm, mit langem

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Bart und breitem Gürtel um die Lenden;

Der betrachtet ihn und dann beginnt er:
Wenn der Schein mich nicht betrügt, so kommst du
Aus dem Reich der fernen Mosleminen,
Hier ein Gast in dieser Stadt, o Fremdling?

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So der Greis, und ihm entgegnet Assur:

Nicht das Vaterland und nicht der Väter

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/14&oldid=- (Version vom 31.7.2018)