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Und will Begeistrung ihnen nicht erscheinen:
So hilft die Moccafrucht, so hilft die Rebe:
Vom Trunk erhitzt und auf gelähmten Beinen

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Hält sich der deutsche Pindus in der Schwebe;

Ich zähle mich hingegen zu den kleinen
Poeten, der ich mäßig bin, und gebe
Mich ganz und gar für einen schlechten Prasser:
Auch misch’ ich täglich meinen Wein mit Wasser.

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Drum konnt’ ich wenig eure Gunst gewinnen,

Entzünde nicht, da selbst ich nicht entzündet,
Da meine Musen, als Begleiterinnen
Des Wahren, nie dem Pöbel sich verbündet.
Es war ein allzu jugendlich Beginnen,

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Daß ich, wie Joseph, meinen Traum verkündet;

Draus hat sich mir der Brüder Neid entsponnen,
Die gern mich würfen in den tiefsten Bronnen.

Doch bis hieher zu weit entferntem Strande
Kann Lieb’ und Haß den Dichter nicht beschreien!

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Hier mag er weilen, unzerstreut vom Tande,

Vom bunten Wirrwarr deutscher Klatschereien;
Er konnte hier, in einem Zauberlande,
Die bange Brust von jedem Schmerz befreien:
Es steht bei dir, ihm vorzuziehn Lappalien,

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Du nordisch Volk, ihn aber schützt Italien!


Deutschland verehrt zu vielerlei Pagoden,
Und Einer stets bekämpft des Andern Meinung:
Dieß trübe Chaos tausendfacher Moden,
In welchem Punkte fänd’ es je Vereinung?

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Der Dichter steht auf einem solchen Boden

Gleich einer fremden sonderbar’n Erscheinung:
Er hört das wilde Heer von ferne wüten,
Erschrickt und flieht, und birgt sich unter Blüten.

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/5&oldid=- (Version vom 31.7.2018)