Seite:Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde.pdf/10

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er wie eine Feder viele Meter hoch und dann ganz langsam wieder herab. So war ein Gehen ganz und gar unmöglich, und erst als er seine Schwere vermehrte, indem er die Luft, die sich zwischen Körper und Taucheranzug befand, ausströmen ließ, vermochte er vorwärtszuschreiten, und zwar mit der Sprungelasticität eines Balletttänzers.

Es war wirklich eine Lust, so im Wasser spazieren zu gehen. Bei den Proben in Flüssen und Teichen hatte Richard das nicht so gut beurteilen können, da dort vor allen Dingen diese sich hier in der Tiefe geltend machenden Hindernisse gefehlt hatten.

Er kam sich – es ist dies wirklich noch der beste Vergleich – wie ein Floh vor. Denn wenn ein Floh auch vom Tische fällt, der tausendmal höher ist als er, so bricht er sich bekanntlich doch kein Bein. Richard sprang gleich einen Abhang von fünfzig Metern hinab, und wenn diese Bewegung allerdings auch kein langsames Schweben mehr war, so bedeutete sie doch nichts anderes, als wenn ein Mensch an der Erdoberfläche eine Treppenstufe hinabsteigt. Andererseits konnte er ebenso leicht über viele Meter hohe Hindernisse hinwegspringen, ohne sich dabei erst leichter machen zu müssen. War der Boden aber einmal eben, so mußte er sich horizontal bewegen und kam dann ebenso schnell vorwärts. Jeder abstoßende Tritt beförderte ihn gleich vier Meter weit.

Plötzlich befand er sich in einer wilden Gebirgslandschaft, in der er sich trotz seiner Elasticität, die keine Hindernisse kannte, einen Weg suchen mußte, denn oft geriet er in ein Thal, aus dem es keinen Ausweg gab, und mußte dann wieder hinauf und auf der anderen Seite hinab; häufig stürzte er auch in eine verborgene Schlucht. Das war aber sehr ungefährlich. Im Wasser ist es mit dem Falle nämlich gerade umgekehrt als in der Luft; im Wasser vermindert sich die Schnelligkeit des Falles konstant und hört bald ganz auf; aber auch schon vorher brauchte Richard nur hervorspringende Felszacken zu fassen, so war der Sturz bereits gebremst, und

Empfohlene Zitierweise:
Robert Kraft: Die Ansiedelung auf dem Meeresgrunde. H. G. Münchmeyer, Dresden (1901), Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Ansiedelung_auf_dem_Meeresgrunde.pdf/10&oldid=3271691 (Version vom 31.7.2018)